“Colonization & Decolonization” by Zig-Zag translated into German!

decol zigzag germanIn response to Unsettling America’s call for translations, our comp@s at the Translation Collective have translated “Colonization & Decolonization” by Zig-Zag into German!

(The original English version is also available from our accomplices at Quiver Distro: read PDF | booklet PDF)

Kolonisierung und Dekolonisierung

von Zig-Zag

dekolonisierung – PDF

Ein Handbuch für indigene Befreiung im 21. Jahrhundert

Zum Gebrauch dieses Handbuchs

Dieses Handbuch ist in vier Teile gegliedert. Der erste Teil definiert Kolonialismus, seine Methoden und Geschichte bis heute (z.B. Invasion und Besetzung des Irak durch die USA). Der zweite Teil beschreibt im Detail die Effekte des Kolonialismus auf indigene Völker, einschließlich der soziologischen und individuellen Auswirkungen. Der dritte Teil untersucht das Konzept der Dekolonisierung, der vierte Teil diskutiert die Dekolonisierung in Nordamerika. Es wird erkennbar, dass die Befreiung der indigenen Völker in Nordamerika eng verbunden ist mit einem globalen Prozess des Widerstands und des Überlebens. Dieses Handbuch ist sowohl für den Selbstunterricht als auch für die Verwendung im Unterricht gedacht. Die [im Anhang] folgenden Stundenpläne können in der Schule genutzt oder angepasst werden.

“Wissen macht eine Person unfähig Sklave zu sein” – Frederick Douglas

Einleitung

“Befreiung ist die Aufgabe, die uns durch unsere Eroberung und Kolonisierung aufgezwungen wurde.” – Chinweizu, The West and the Rest of Us, Seite 33

Kolonialismus: Die Praxis, andere Länder und Territorien zum Zweck der Besiedlung und/oder der Ausbeutung von Ressourcen zu überfallen.

Wenn eine Invasionsmacht auf eine indigene Bevölkerung trifft, die eine Territorium bereits besetzt hält, wird Kolonialismus zum gewalttätigen Konflikt zwischen zwei feindlichen und entgegengesetzten Lebensweisen, von denen die eine der anderen ihren Willen aufzuzwingen sucht. Dies ist eine Standarddefinition des Krieges. Kolonisierung kann als Krieg um Territorium verstanden werden, der alle Mittel der Kriegsführung einbezieht: militärische, politische, ökonomische, psychologische, diplomatische, kulturelle, etc.

Cecil Rhodes, der britische Kolonialoffizier, nach dem Rhodesien benannt wurde (heute Zimbabwe), formulierte die Motive und Ziele des europäischen Kolonialismus im 19. Jahrhundert:

“Wir müssen neues Land auftun, wo wir auf einfache Weise an Rohstoffe kommen und zugleich die billige Sklavenarbeit ausbeuten können, die durch die Ureinwohner der Kolonien verfügbar ist. Die Kolonien würden ebenfalls einen Schuttplatz für die in unseren Fabriken produzierte überschüssige Ware bieten.”

Aufgrund seiner Geschichte und Kultur ist der europäische Kolonialismus durch Praktiken des Genozids gekennzeichnet, inklusive Vernichtungskriege, Massaker an Nicht-KombattantInnen, biologische Kriegsführung, Politik der verbrannten Erde (Zerstörung von Nahrung und Unterkunft). Andere Gräueltaten sind etwa die Folter von Gefangenen, Vergewaltigung und Versklavung der indigenen Bevölkerungen. Diese Taten wurden von einer rassistischen und patriarchalen Ideologie (z.B. Christentum und weißer Überlegenheitsglaube) angetrieben, von Gier und einem psychopathischen Verlangen zu töten, anderen Gewalt und Leid zuzufügen.

Psychopath n. Eine Person mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, die sich in aggressivem, perversem, kriminellem oder amoralischem Verhalten ohne Mitgefühl oder Reue ausdrückt.” – American Heritage Dictionary, Seite 1415

Stufen des Kolonialismus

Methoden und Geschichte der Kolonisierung sind aufgrund vieler verschiedener Variablen (Geographie, Bevölkerungsdichte, Ressourcen, etc.) in jedem Fall einzigartig. Dennoch gibt es ein leicht erkennbares gemeinsames Muster. In den Amerikas, Afrika und Asien bestand die Kolonisierung im Allgemeinen aus vier Stufen: Aufklärung, Invasion, Besatzung und Assimilation.

1. Aufklärung

Zunächst beginnt Kolonialismus mit kleinen Aufklärungstrupps, die neue Länder oder Regionen kartographieren und Informationen sammeln. Diese werden heute oft als ‘Erkundungsreisen’ oder ‘wissenschaftliche Entdeckungen’ gefeiert. Die Reise von Kolumbus 1492 beispielsweise war eine Expedition zur Aufklärung einer neuen Route zu den asiatischen Märkten. Es gab nur drei Schiffe: die Pinta, Nina und die Santa Maria.

2. Invasion

Die zweite Phase besteht in der Invasion, die eine Periode des bewaffneten Konflikts eröffnet, da die indianischen Nationen Widerstand gegen die kolonialen Kräfte leisten. Als Kolumbus 1494 in die Karibik zurückkehrte, brachte er 17 Schiffe und mehr als 1000 Conquistadores mit. Die Invasion kann unmittelbar nach der Aufklärung beginnen oder durch eine Periode des Handels und der Besiedlung verzögert werden, die als Basis einer späteren Invasion dient (z.B. Nordamerika). In jedem Fall gründet die koloniale Militärstrategie auf Genozid und beinhaltet die Zerstörung von Nahrungsmittelvorräten, Ressourcen und Unterkünften ebenso wie Massaker und biologische Kriegsführung (Krankheiten).

3. Besatzung

Sobald die indigenen Völker militärisch besiegt sind, wird die Besatzung ausgedehnt. Eine Kolonialregierung wird eingesetzt, um die überlebende eingeborene Bevölkerung zu kontrollieren, die in Reservationen in Schach gehalten oder versklavt wird. Im 18. Jahrhundert wurden die Kolonialbehörden häufig von Konzernen gestellt (z.B. die Hudson´s Bay Company, die Französische Senegal Company, etc.). Sie organisierten die Besiedlung und den Abbau der Rohstoffe, den Bau von Eisenbahnen, Staudämmen, Straßen, Häfen, usw.

4. Assimilation

Wichtiger Bestandteil des Aufzwingens von Kontrolle ist die Indoktrination der überlebenden Ureinwohner, [ihr ideologischer Einbau] ins europäische System. Um dies zu erreichen, muss die indigene Gesellschaft und Kultur so weit wie möglich zerlegt und ausgelöscht werden. Dies geschieht in der Phase der Invasion durch Entvölkerung, die durch koloniale Gewalt, inklusive physischer Zerstörung und biologischer Kriegsführung erreicht wird. Ist die Besatzung erst einmal fest verankert, wird dieser Prozess institutionalisiert: Generationen indigener Jugendlicher wurden von ihren Leuten fortgeschafft und in Schulen der Kirche und der Regierung gezwungen.

Die Periode der Besatzung ist mit der Assimilation verbunden, denn nur durch Besatzung können Systeme der Assimilation erzwungen werden. Diese Phase kann lange andauern und sich über Jahrhunderte erstrecken, wie es in den Amerikas geschehen ist.

1. Geschichte des Kolonialismus

Kolonialismus ist weder etwas Neues, noch beschränkt er auf sich irgendeine spezielle Epoche (z.B. die ‘koloniale Periode’ vom 15.-19. Jahrhundert). Die Zivilisationen des Altertums waren die ersten, die begannen andere Länder und Völker zu kolonisieren. Als ihre Bevölkerungen zu zahlreich wurden und die Ressourcen sich erschöpften, wurden KolonistInnen ausgeschickt, neue Länder zu besetzen und zu besiedeln. Waren diese Länder bereits besetzt, wurden Feldzüge durchgeführt, um die Kontrolle zu erlangen.

Die Überlebenden der eroberten Nationen und Territorien wurden versklavt und gezwungen Ressourcen zur Verfügung zu stellen: menschliche Arbeit, Nahrungsmittel, Metalle, Holz, Gewürze, usw. Sodann nötigten die Invasoren ihnen ihre eigene Formen der Regierung, der Gesetze, der Religion und der Bildung auf. Mit der Zeit wurden diese Bevölkerungen in Kultur und Gesellschaft ihrer Unterdrücker assimiliert.

Der frühe ägyptische Kolonialismus

Bereits im alten Ägypten (um 1500 v.u.Z. oder: vor 3500 Jahren) wurden alle Methoden des Kolonialismus angewendet. Ein afrikanischer Gelehrter, Cheikh Anta Diop, beschreibt diese Methoden:

“In einigen Städten, wie Jaffa, wurden die eroberten Prinzen schlicht und einfach durch durch ägyptische Generäle ersetzt […] Ägyptische Garnisonen wurden an strategischen Punkten, wichtigen Städten und Häfen stationiert […] 1400 Jahre vor Rom erschuf Ägypten das erste zentralisierte Imperium der Welt.

Die Kinder der Vasallen (eroberten) Prinzen wurden als ‘Geiseln’ genommen und am Hof des ägyptischen Imperators auf ägyptische Art erzogen, um sie ägyptische Sitten und Geschmack zu lehren und sie in die pharaonische Kultur und Zivilisation zu assimilieren […]

Der Pharao konnte jederzeit Geld, Wagen, Pferde, zwangsweise Kriegsdienste fordern; der Vasall stand permanent unter dem Befehl des ägyptischen Generals […] Die Vasallen genossen nur intern Autonomie; tatsächlich hatten sie ihre internationale Autonomie verloren; sie konnten nicht direkt mit fremden Ländern verhandeln.“ – Cheikh Anta Diop, Civilization or Barbarism, Seite 85-86)

Die europäische Kolonisierung

Wenn wir die Welt heute anschauen, sehen wir, dass dieser Prozess, der bisweilen Imperialismus, Globalisierung, oder gar ‘Peacekeeping’ oder ‘humanitäre’ Mission genannt wird, noch immer andauert. Welcher Begriff auch immer verwendet wird, die Prinzipien von Invasion, Besatzung und Ausbeutung bleiben die gleichen.

Heute beherrschen die europäischen Staaten und ihre Siedlernationen das globale System. Wie kam es dazu? Weshalb ist die westliche Zivilisation heute die wichtigste ökonomische, politische und militärische Macht der Welt? Die Antwort auf diese Fragen ist in der Geschichte der Zivilisation zu finden.

Frühe Zivilisationen konzentrierten große Mengen menschlicher und materieller Ressourcen unter der Kontrolle einer zentralen Autorität. Diese Autorität trat üblicherweise in Form von Königen und Priestern auf, die ihr Recht zu herrschen auf spirituelle und religiöse Traditionen gründeten. Sie kontrollierten alle Regierungstätigkeit, wirtschaftlichen Handel, Recht und Ordnung, Bildung etc. Mittels Religion wurde den Staatsangehörigen eine Kontrolle des Geistes aufgezwungen, die eine Kultur der Unterwerfung, der Sklaverei und des Krieges schuf (gerade so, wie wir es heute sehen).

Die ersten Zivilisationen wurden in Nordafrika und Mesopotamien (dem Nahen Osten) etabliert und bestanden aus ÄgypterInnen, SumererInnen und BabylonierInnen. Andere Zivilisationen entstanden in Indien, Asien und den Amerikas, aber jene in Ägypten und dem Nahen Osten hatten direkten Einfluss auf Europa.

Die GriechInnen waren, aufbauend sowohl auf ägyptische Modelle als auch auf solche aus dem Nahen Osten, die wichtigsten Übermittler zivilisierter Kultur nach Europa. Am südöstlichsten von ganz Europa gelegen, prädestinierte die strategische Lage der GriechInnen sie für eben solch eine Rolle. Vor dieser Zeit war das südliche Europa von Stammesvölkern bewohnt. Während die ÄgypterInnen massive Pyramiden und Städte bauten, über eine Schriftsprache, eine hoch entwickelte Wissenschaft und Astronomie usw. verfügten, jagten und sammelten die EuropäerInnen noch.

Diese Geschichte sagt uns, dass Kolonisierung sich aus der Kultur einer Gesellschaft ergibt, nicht aus ihrem rassischen oder biologischen Hintergrund. Diese Kultur, die auf Expansion, Kontrolle und Ausbeutung basiert, erwächst aus der Zivilisation. Dennoch ist dieses europäische System, das heute die Welt beherrscht, das Resultat von Geschichte, Geographie und dem Austausch von Kultur und Technologie, der überall im Mittelmeerraum stattfand.

Die römische Kolonisierung

Die ersten Leute, die von der westlichen Zivilisation kolonisiert wurden, waren die europäischen Stammesvölker, wie etwa die GotInnen (Deutschland) oder die GallierInnen (Frankreich und Spanien). Sie wurden seit etwa 200 v.u.Z. (vor ungefähr 2200 Jahren) vom römischen Imperium überfallen und besetzt:

“Eroberte Territorien wurden in Provinzen aufgeteilt, in denen von Rom eingesetzte Gouverneure jeweils für ein Jahr herrschten. Die Gouverneure herrschten durch militärisch erzwungene Verordnungen. […] Alle eroberten Völker mussten besondere Steuern an Rom entrichten.” – Jack C. Estrin, World History Made Simple, Seite 65

Frühe römische Darstellungen beschreiben diese Völker als Mutter Erde verehrende, in Clans und Stämmen organisierte, halbnomadische Jäger und Sammlerinnen. Sie waren zugleich starke und erfahrene militärische Streitkräfte, die den römischen Heeren zahlreiche Niederlagen bescherten. Einige Regionen (z.B. die schottischen PiktInnen) wurden nie befriedet oder erobert.

Trotz dieses Widerstands wurden einige Gebiete im heutigen Spanien, Portugal und Frankreich, sowie Teile Deutschlands und Großbritanniens für einen Zeitraum von 400 Jahren besetzt. Gezwungen als Sklaven zu arbeiten, Häuser und Festungen zu bauen, Rohstoffe und Fertigwaren zur Verfügung zu stellen, als entbehrliche Frontsoldaten zu dienen oder als DienerInnen (KöchInnen, Reinigungskräfte, Barbiere, HauslehrerInnen) wurden diese eroberten Völker zunehmend ins imperiale Rom assimiliert.

Häuptlinge und hochrangige Familien waren von systematischer Assimilation betroffen; häufig wurden ihnen ihre Kinder genommen, um ihnen lateinisch (die Sprache Roms) sprechen und lesen beizubringen. Die römische Kleidung und allgemeine Kultur wurden ihnen aufgenötigt. Nach einigen Generationen waren diese Völker tatsächlich romanisiert oder latinisiert, einige erwarben die römische Staatsangehörigkeit und nahmen hohe Positionen im militärischen oder politischen System Roms ein. Zusammen mit dem römischen Regierungssystem und der christlichen Kirche dienten diese Familien als Basis des Feudalsystems, das nach Zusammenbruch des römischen Imperiums (im 5. Jahrhundert u.Z.) in Westeuropa entstand.

Europa steht, vielleicht mehr als jede andere Region, als krasses Beispiel für die Effekte von Kolonisierung und Assimilation. Heute ist sehr wenig übrig von den europäischen Stammeskulturen, die zerstört und ins imperiale System Roms assimiliert wurden (was erklärt, warum der Charakter der europäischen Zivilisation im Wesentlichen faschistisch ist).

1492: Die Invasion der Amerikas

1492 begann die europäische Kolonisierung der Amerikas mit der Reise von Christopher Columbus, der die Nina, Pinta und Santa Maria kommandierte. Die Aufklärungsexpedition erreichte die Karibik und landete an einer Insel, heute Haiti und Dominikanische Republik, welcher der Name Hispaniola gegeben wurde. 1494 kehrte Columbus mit einer zweiten, größeren Truppe zurück, bestehend aus 17 Schiffen, 1200 Soldaten, Seeleuten und SiedlerInnen.

1496 war die Hälfte der auf 8 Millionen geschätzten indigenen Bevölkerung Hispaniolas tot, umgebracht von einer Kombination aus europäischen Krankheiten und Massakern. Sowohl Priester als auch Conquistadores haben detaillierte Berichte ihrer Gräueltaten hinterlassen, über das Töten aus Spaß, das Jagen indigener Menschen wie Tiere, das Ersinnen von grausamen und unmenschlichen Foltermethoden aller Art. Die Überlebenden wurden versklavt und gezwungen, die Conquistadores mit Gold, Silber und Nahrungsmitteln zu versorgen. Wer es nicht schaffte ihre Quoten zu erfüllen, dem wurden Hände, Ohren oder Nase abgeschnitten. Von dieser strategischen Position aus wurden Feldzüge gegen nahe gelegenee Inseln geführt; 1510 siedelten die Spanier indigene Völker von den Bahamas und Cuba um, um die sterbenden SklavInnen auf Hispaniola zu ersetzen.

1535 starteten spanische Conquistadores militärische Operationen nach Mexiko, Zentralamerika und Peru. Mit ihren Gewehren, Rüstungen und Metallklingen, ihren Pferden, Belagerungskatapulten, Kampfhunden und ihrer biologischen Kriegsführung hinterließen die Spanier eine Spur der Verwüstung, der Massaker, Folter und Vergewaltigung. Innerhalb eines Jahrhunderts wurden mehrere zehn Millionen indigene Menschen getötet. Alleine die MexikanerInnen (oder AztekInnen) wurden von 25 Millionen auf nur 3 Millionen reduziert. Die Todesrate betrug überall 90-95%.

Die europäische Invasion der Amerikas war fraglos der verheerendste Genozid und Holocaust in der Geschichte. Trotzdem wird er auch heute noch als ‘Entdeckung’ gefeiert. Mit einigen Ausnahmen wurde die Geschichte dieses Holocaust klein geredet oder verschwiegen.

Hauptziel der Spanier und Portugiesen war, die Kontrolle über das Land zu übernehmen und die überlebenden indigenen Menschen zu versklaven. Die Besiedlung war kein zentrales Anliegen. Sie legten riesige Plantagen für den Anbau von Feldfrüchten für den Export nach Europa an und bauten weitläufige Farmen für die Rinderzucht auf. Minen wurden angelegt, um nach Gold und Silber zu graben. Millionen indigener Menschen wurden versklavt und starben durch die Arbeit in diesen Minen.

Um sich eine Quelle für SklavInnen zu erhalten, wenden sich die europäischen Händler nach Westafrika. Dort verkauften in Stammeskriege verwickelte indigene Afrikaner ihre Kriegsgefangenen an die Europäer, offenbar ignorant oder gleichgültig den Folgen gegenüber, die dieser Handel haben würde. 15-20 Millionen AfrikanerInnen wurden an Bord von Sklavenschiffen [nach Amerika] verschleppt, schätzungsweise 40 Millionen starben während der Fahrt über den Atlantik an Krankheiten und Hunger.

Trotz dieses hohen Maßes an Gewalt und Zerstörung war die spanische und portugisische Kolonialmacht weitgehend auf die Küstenlinien Zentral- und Südamerikas beschränkt. Mehrere im Inland gelegene Regionen leisteten ihnen zwei bis drei Jahrhunderte lang Widerstand und wurden nie von den Spaniern erobert. Die Maya auf der Halbinsel Yucatan etwa zogen sich in die bewaldete Tiefebene zurück, wo die spanischen Streitkräfte Krankheiten und der intensiven Hitze zum Opfer fielen. Sodann führten die Maya militärische Angriffe durch und schafften es so, sich der spanischen Kontrolle völlig zu widersetzen.

Um 1800 beanspruchten die Spanier ein weitläufiges Gebiet, das sich über Teile Süd-, Zentral- und Nordamerikas erstreckte. Nichts desto trotz war ihr Imperium im Niedergang, konfrontiert mit fortgesetztem indigenen Widerstand, Sklavenrebellionen und sogar Revolten der SiedlerInnen. Mitte des 18. Jahrhunderts zwangen Unabhängigkeitsbewegungen der SiedlerInnen die Spanier zum Verlassen der Amerikas (mit Ausnahme von Cuba und Puerto Rico).

Zur Zeit der Invasion der Amerikas erlebte Europa sein dunkles Zeitalter, litt unter Erschöpfung der Ressourcen, Überbevölkerung, weit verbreiteter Armut und sozialem Verfall. Der Kolonialismus brachte neue Ressourcen und Wohlstand nach Europa, während er die indigenen Nationen in den Amerikas ebenso wie jene in Afrika zerstörte. Die Kolonisierung der Amerikas war es, welche die europäischen Nationen in die Lage versetzte, sich weiter auszubreiten und die Welt zu beherrschen.

1498: Die Invasion Nordamerikas

1498 erhob John Cabot, der unter Kommando des englischen Königs segelte, Anspruch auf die Ostküste des heutigen Neufundland. Kurz darauf folgten die Franzosen. Während des gesamten 16. Jahrhunderts versuchten Briten und Franzosen immer wieder Kolonien an der Ostküste der USA zu errichten, doch niemand überlebte den strengen Winter (oder, im Süden, die Angriffe der Spanier). Schließlich wurde 1607 eine britische Kolonie in Jamestown, Virginia etabliert. Sie überlebten aufgrund der Hilfe von indigenen Völkern (die von den indigenen Völkern übernommene Tradition des Thanksgiving rührt daher).

Diese frühen britischen SiedlerInnen waren stark bemüht, nicht in irgendwelche Angriffshandlungen verwickelt zu werden, besonders da die indigenen Völker militärisch stärker waren. Zunächst wurden Friedens- und Freundschaftsverträge geschlossen. Mit steigender Anzahl der KolonistInnen, begannen sie nach mehr Land und Ressourcen zu streben, insbesondere nach dem landwirtschaftlich genutzten Land der indigenen Völker. Um 1620 brach im Nordosten offener Krieg aus, KolonistInnen verübten Massaker und wendeten die Politik der verbrannten Erde an. Kombiniert mit den Effekten biologischer Kriegsführung (Pocken) zerstörten diese Angriffe allmählich die Fähigkeit der indigenen Nationen militärischen Widerstand zu leisten.

Briten und Franzosen fanden, anders als Spanier und Portugiesen im Süden, kaum Gold oder Silber, um eine großangelegte Invasion zu finanzieren. Stattdessen waren sie auf den Handel mit indigenen Nationen (z.B. den Pelzhandel) sowie auf die schrittweise Entwicklung der Landwirtschaft für den Export nach Europa angewiesen. Aus diesem Grund wurde eine zweigleisige Politik gefahren: Während mit einigen freundliche Beziehungen unterhalten wurden, wurde gegen andere Krieg um Territorien geführt. Im Laufe der Zeit aber wurden selbst diejenigen angegriffen, die aktiv mit den SiedlerInnen kollaboriert hatten, ihr Land wurde ihnen genommen, ihre Bevölkerungen versklavt.

Der Schwerpunkt der Franzosen und Briten lag darauf, eine möglichst große Zahl ihrer BürgerInnen in die Kolonien zu bringen, um den Druck der Überbevölkerung zu mindern und sich gegen andere europäische Mächte zu wappnen. Die Besiedlung war daher ein zentraler Faktor in der Kolonisierung Nordamerikas.

Wie in Süd- und Zentralamerika litten die indigenen Bevölkerungen überall in Nordamerika unter Todesraten von 90-95%. Krankheiten hatten gravierende Folgen. Sie waren zudem meist von Vernichtungskriegen begleitet, die nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder trafen. Diejenigen, die nicht an Krankheiten oder in Massakern starben, litten Hunger, da Dörfer und Feldfrüchte von schwer bewaffneten europäischen Milizen systematisch niedergebrannt wurden. Das Ausrotten der indigenen Völker war die offizielle Politik des Kolonialismus, einzig beschränkt von der Möglichkeit, mit Sklaverei Geld zu machen.

Die Konkurrenz zwischen Franzosen und Briten führte zu einer Reihe von Kriegen, die sowohl in Europa als auch in den amerikanischen Kolonien ausgefochten wurden. 1763 wurde Frankreich besiegt und trat seine Kolonien an die Briten ab (inklusive das heutige Quebec). Die Briten wiederum strukturierten ihr Kolonialsystem um und verhängten neue Steuern über die Kolonien, um die Kosten des Krieges zu decken.

Im Zuge dessen erließen die Briten die Royal Proclamation von 1763. Dieses Gesetz schränkte die Expansion der Kolonien ein, indem es eine westliche Grenzlinie (entlang der Gebirgskette der Appalachen) festlegte. Nur den Streitkräften der britischen Krone wurde gestattet in den ‘Indianischen Territorien’ Handel zu treiben, Land an sich zu bringen und andere Geschäfte zu machen. Dieses Gesetz, dass zugleich die indigene Souveränität über das Land anerkannte, diente der Eindämmung des indigenen Widerstands. Zu dieser Zeit waren die Briten mit einem von Potiac geführten Aufstand einer Allianz von Ottowa, Algonquin, Wyandot und anderen konfrontiert. Von 12 britischen Forts hatten diese neun eingenommen und belagerten über sechs Monate lang Detroit.

Die neuen Steuern und die Royal Proclamation von 1763 ärgerten viele SiedlerInnen in den ursprünglich 13 Kolonien, insbesondere ihr Ausschluss vom Erwerb weiteren Landes. Der Immobilienhandel war ein riesiges Geschäft geworden; SiedlerInnen eroberten gewaltsam Land, um es weiterzuverkauften oder Cash Crops, wie etwa Tabak darauf anzubauen. Als Antwort [auf die Steuern] organisierten sie eine bewaffnete Revolte gegen die Briten, um ein unabhängiges euro-amerikanisches Imperium zu errichten.

Die Revolten von SiedlerInnen in den Amerikas

Die euro-amerikanische Revolution von 1775-1783 war die erste einer Reihe von Revolten von nach Unabhängigkeit strebenden SiedlerInnen in den Amerikas. Von der britischen Kolonialpolitik nicht länger eingeschränkt, begannen die neuen USA eine schnelle militärische Expansion nach Westen und töteten, versklavten oder vertrieben die indigenen Völker. Zur gleichen Zeit wurden zehntausende europäischer ImmigrantInnen ins Land gebracht. Dennoch würde es mehr als 100 Jahre dauern, bis der indigene Widerstand von der US-Armee besiegt wurde.

Inspiriert von der ‘amerikanischen Revolution’ kam es im frühen 19. Jahrhundert überall in Süd- und Zentralamerika zu Revolutionen von SiedlerInnen, durch die neue unabhängige Nationalstaaten entstanden (z.B. Bolivien, Chile, Peru usw.). Auch wenn sich diese Bewegungen der europäischen Kolonialmächte entledigten, die indigenen Völker befreiten sie nicht. Vielmehr ergriffen die eingewanderten europäischen Eliten und ihre Nachfahren die Macht. Wir beziehen uns nicht als Beispiele anti-kolonialen Widerstands auf sie.

Ende des 19. Jahrhunderts fingen diese Siedlerregierungen damit an, riesige Kredite bei europäischen Banken aufzunehmen. Diese Kredite wurden verwendet, um Straßen, Eisenbahnlinien, Dämme, Häfen etc. zu bauen, um die natürlichen Ressourcen besser ausbeuten zu können. Konzerne aus den USA und Europa engagierten sich sehr stark in diesen Ländern, wo sie mit der Ausbeutung von billiger Arbeit, Land und Ressourcen riesige Profite machen konnten. Diese Periode begründete, aufbauend auf Schulden und der Zurückzahlung von Krediten, das imperiale Verhältnis zwischen ‘Dritter Welt’ und den westlichen Mächten.

Die Revolten afrikanischer Sklaven

Bereits 1526 hatten afrikanische SklavInnen gegen ihre europäischen ‘Herren’ rebelliert. In einigen Region, beispielsweise in Brasilien, errichteten entflohene AfrikanerInnen befreite Zonen, die sie gegen die kolonialen Streitkräfte verteidigten. In der Karibik, Zentral- und Südamerika fanden flüchtige AfrikanerInnen auch Zuflucht bei indigenen Völkern.

Während der ‘Amerikanischen Revolution’ in den USA boten die Briten den afrikanischen SklavInnen die Freiheit an. Es wird angenommen, dass an die 100.000 Menschen daraufhin die Sklaven-Plantagen verließen und mit den Briten kämpften. Viele afrikanische Einheiten setzten den Kampf nach der Niederlage der Briten fort, andere gingen nach Kanada, und diejenigen, die es nicht taten wurden wieder versklavt.

Als die euro-amerikanische Siedlerelite ihre kontinentale Expansion plante und ausführte, rebellierten die afrikanischen SklavInnen auf Haiti und besiegten 1791 die französischen Streitkräfte. Dies alarmierte die USA, wo man begann, die Gefahren der enormen afrikanischen Sklavenbevölkerung zu realisieren. Im Jahr 1800 kam es zu einer großen Sklavenrevolte in Virginia. Anstrengungen wurden unternommen, die Zahl der SklavInnen zu reduzieren; 1808 erließ die Regierung ein Verbot auf die Einfuhr neuer SklavInnen.

1812 griff eine Bürgerwehr der Siedler Communities der SeminolInnen in Florida an, um entflohene afrikanische SklavInnen, die bei den SeminolInnen Zuflucht gefunden hatten, wieder gefangen zu nehmen. Damit begann die erste Phase der Seminolenkriege, die Millionen Dollar und mehr als 1600 US-Soldaten das Leben kostete. Auch 1835, im zweiten Seminolenkrieg, blieben die SeminolInnen und ihre afrikanischen Alliierten unbesiegt.

Unterdessen gingen die Revolten der SklavInnen weiter. Um 1820 lebte in vielen Städten eine große Anzahl von AfrikanerInnen, oft konzentriert in bestimmten Gebieten. Auch wenn die meisten von ihnen SklavInnen waren – die Zahl städtischer SklavInnen überstieg die derjenigen auf den Plantagen – gab es darunter immer mehr entflohene SklavInnen. Es gelang ihnen in großer Anzahl Zuflucht zu finden. Im Ergebnis gingen viele Aufstände und Rebellionen von urbanisierten SklavInnen aus. In den 1830er Jahren wurden viele von ihnen wieder auf die Plantagen gebracht. Auch wurde empfunden, dass zu viele der afrikanischen SklavInnen in den Städten mit Bildung in Berührung kamen und ‘zu viel’ lernten.

In den 1850er Jahren war die Sklaverei zu einer politischen Trennlinie zwischen den südlichen und nördlichen Siedlereliten geworden. Das auf Sklaverei basierende Plantagensystem des Südens wurde nun als hemmend für die Interessen des Imperiums betrachtet, die es mit einer afrikanischen Revolution bedrohte, während es das Wachstum des industriell-kapitalistischen Systems im Norden begrenzte. Was die USA brauchten, war eine riesige Armee europäischer SiedlerInnen, um das Territorium zu nehmen und zu halten, in den Fabriken und auf den Farmen zu arbeiten, zu produzieren und zu konsumieren.

Zwischen 1830 und 1860 emigrierten fünf Millionen europäischer SiedlerInnen in die USA. Zu dieser Zeit eskalierte der Machtkampf zwischen dem Norden und dem Süden zum amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865). Wieder wurde den neuen afrikanischen SklavInnen die Freiheit versprochen, diesmal von den Streitkräften des Nordens. Abermals flohen zehntausende und schlossen sich der Unions-Armee des Nordens an. Der massenhafte Entzug sklavischer Arbeit, der den Norden zusätzlich stärkte, und die Unfähigkeit, mit der ökonomischen und industriellen Kapazität Krieg zu führen des Nordens zu konkurrieren, führten dazu, dass der Süden besiegt wurde.

Die AfrikanerInnen im Süden organisierten sich augenblicklich, um ihre Freiheit zu verteidigen. Es kam zu Streiks und bewaffneten Besetzungen. Die neue Regierung des Nordens bot ihnen begrenzte politische, juristische und eigentumsbezogene Rechte, während sie die militantesten Elemente angriff. Soldaten der Union entwaffneten afrikanische Einheiten der Armee oder setzten sie in den laufenden ‘Indianerkriegen’ auf den Plains wieder ein.

Diese Reformen waren zu viel für die SiedlerInnen des Südens, von denen sich tausende den Gruppen für eine weiße Vorherrschaft1 anschlossen, z.B. dem Ku Klux Klan, und eine Terrorkampagne gegen Schwarze starteten. Während der staatlichen Wahlen wurden tausende AfrikanerInnen getötet. Der Norden zog seine Truppen zurück und erlaubte, dass lokale Siedlerregimes wieder an Macht gewannen, die bis zu den Bürgerrechtskämpfen der 1950er Jahre ein brutales Apartheidssystem unterhielten.

Die finale Phase des nordamerikanischen indigenen Widerstands: Das 19. Jahrhundert

1812 wollten die US-Streitkräfte Kanada erobern. Damals befand sich England erneut im Krieg mit Frankreich, und die USA erhofften sich daraus ihren Nutzen ziehen zu können. Dessen ungeachtet wurden sie von einer kleinen britischen Streitmacht und einer Allianz indigener Krieger zurückgeworfen. Es wird allgemein anerkannt, dass die USA ohne die Beteiligung indigener Völker erfolgreich gewesen wären. Der Widerstand wurde von Tecumseh und Blackhawk geführt, die während der gesamten Zeit halfen Aufstände gegen die europäischen Kolonialmächte zu organisieren.

1838 zwangen US-Truppen tausende Cherokee in Gefangenenlager und bald darauf, im Winter, auf den ‘Trail of Tears’, in dessen Verlauf jeder vierte starb. Auch zahlreiche andere Nationen wurden gewaltsam umgesiedelt, darunter die Choctaw, Creek, Shawnee, Miami, Ottawa, Delaware, und andere. Viele wurden nach Oklahoma geschickt.

1848 fielen die USA im nördlichen Mexico ein und brachten Kalifornien, Nevada, New Mexico, Arizona, Texas, Colorado und Utah unter ihre Kontrolle. Im gleichen Jahr wurde in Kalifornien Gold entdeckt, was eine Siedlerinvasion in der Region auslöste, welche die indigenen Nationen der Region dezimierte.

1860, während der Bürgerkrieg in den USA wütete, widersetzten sich die indigenen Nationen auf den Plains und im Südwesten weiterhin ihrer Kolonisierung. Der Widerstand der Apache begann zu dieser Zeit unter Führung von Cochise und Colorado und wird bis zur endgültigen Festnahme von Geronimo 1886 nicht enden.

1863 begannen die Shoshone in Utah und Idaho mit Angriffen auf ins Land drängende SiedlerInnen und Streitkräfte. Auch die Dene in New Mexico und Arizona starteten Attacken gegen die KolonistInnen. Zu dieser Zeit waren US-amerikanische, britische und russische KolonistInnen auch an der Nordwestküste aktiv. In British Columbia [Canada] wurden Kanonenboote der britischen Marine verwendet, um Dörfer zu bombardieren, Häuser, Kanus und Nahrungsmittelvorräte zu zerstören.

Auf den Plains begannen die Lakota, Cheyenne und Arapaho einen Guerilla-Krieg gegen US-Truppen und SiedlerInnen. Zwischen den 1860er und 70er Jahren musste die US-Cavalery zahlreiche Niederlagen erleiden (darunter die Niederlage Custers 1876), sie verloren einige Forts. Trotzdem wurde 1885 die letzte große Büffelherde von SiedlerInnen geschlachtet, was die Plains-Nationen ihrer allerwichtigsten Quelle für Nahrung, Unterkunft, Kleidung usw. beraubte.

Im gleichen Jahr rebelliertennnnn die Métis und Cree im südlichen Manitoba gegen die britisch-kanadischen Behörden (angeführt von Louis Riel und Poundmaker). Den Briten gelang es die Zerstörung der Büffelherden zu nutzen, um den Plains-Nationen in Canada ihre Kontrolle aufzunötigen und sie zu zwingen, Verträge zu unterschreiben und auf Reservationen zu leben.

Gleichzeitig mit den durchgeführten Feldzügen hatten Krankheiten weiter verheerende Auswirkungen auf die indigenen Bevölkerungen. Hin und wieder wurden diese Mittel der biologischen Kriegsführung auch bewusst eingesetzt, um den indigenen Widerstand zu brechen.

1890 waren die indigenen Völker sowohl in Canada als auch in den USA militärisch besiegt. In diesem Jahr wurden an die 300 unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder von der US-Cavalery am Wounded Knee, South Dakota, massakriert. In dieser Zeit begann die systematische Assimilation der überlebenden Bevölkerung: Die indigenen Völker wurden auf Reservationen umgesiedelt, Generationen von Kindern in Internate gezwungen, wo sie mit europäischer Kultur und Ideologie, Sprache, Religion etc. indoktriniert wurden. Viele erlitten körperlichen, geistigen und sexuellen Missbrauch, während zehntausende an Krankheiten wie Tuberkulose und Grippe starben.

Afrika, Asien und der Nahe Osten

Auch wenn die Portugiesen Mitte des 15. Jahrhunderts damit begonnen hatten, entlang der afrikanischen Küste Handel zu treiben und Überfälle durchzuführen, blieb der europäische Kolonialismus auf dem Kontinent für einige Jahrhunderte begrenzt. Die ersten Invasions-Bemühungen portugiesischer Truppen stießen auf starken Widerstand und tödliche afrikanische Krankheiten. Größte Sorge der Europäer war der Handel und die Gewährleistung von SklavInnen für die Kolonisierung der Amerikas. In Nordafrika wurden die Europäer von der Anwesenheit großer und gleichermaßen machtvoller islamischer Zivilisationen eingeschränkt. Trotz der Kreuzzüge des 11.-13. Jahrhunderts schaffte es Europa nicht, diese Imperien zu überfallen und zu erobern.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb das Innere Afrikas weitgehend unkartiert und unbekannt. Es wurde der ‘Dunkle Kontinent’ genannt, ein Land von schwarzen ‘Wilden’ und tödlichen Krankheiten. Zu dieser Zeit wurden neue Antibiotika entwickelt, und mehr europäische Forschungsreisende begannen über die Küstenlinie hinaus ins Herz Afrikas vorzudringen. Hier trafen sie auf Nationen, die nach Jahrhunderten des Sklavenhandels bereits entvölkert und geschwächt waren. Auch hatten die Europäer weitaus tödlichere Feuerwaffen, Kanonen, usw. Im Ergebnis begann eine neue Phase des europäischen Kolonialismus. Wie in den Amerikas wurden Millionen indigener AfrikanerInnen getötet und versklavt, während die europäischen Nationen sie ausplünderten und ihre natürlichen Ressourcen raubten.

Zu dieser Zeit befand sich die Kolonisierung in Nordamerika und Afrika in einem ähnlichen Stadium. 1876 zerstörten die Lakota, unter Führung von Crazy Horse und anderen, Custer und seine 7. Cavalery. 1879 rieben Zulu-Krieger die britischen Streitkräfte in der Schlacht von Isandhlwana völlig auf. In Nordamerika wie im afrikanischen Kongo wurden im Jahr 1890 Maschinengewehre verwendet, um Männer, Frauen und Kinder zu massakrieren.

In den 1920er Jahren war das Osmanische Reich, das die arabisch-islamischen Zivilisationen des Nahen Ostens zusammenhielt, in Folge des 1. Weltkrieges geschwächt. Während des Krieges hatten sich osmanische Herrscher auf die Seite Deutschlands gestellt. Nach ihrer Niederlage wurde der Nahe Osten zwischen den westlichen Mächten aufgeteilt, v.a. zwischen Großbritannien und Frankreich. Sie übernahmen die Kontrolle über Länder wie Irak, Iran, usw., auch über deren Öl- und Gasvorkommen.

In Asien hatten die spanischen und portugiesischen Streitkräfte im 15. Jahrhundert ausgedehnte Aufklärungsmissionen durchgeführt, wobei sie mit dem chinesischen und anderen asiatischen Imperien Handel trieben. Auch hier, im Angesicht einer gleichfalls machtvollen Zivilisation, waren die Europäer nicht in der Lage, das Land einfach zu überfallen und zu besetzen (mit der Ausnahme von Inseln wie den Philippinen, die 1565 von den Spaniern erobert wurden). Während es den Europäern gelang den internationalen Handel im 17. und 18. Jahrhundert zu kontrollieren, gelang es ihnen nicht vor Mitte des 19. Jahrhunderts, eine nennenswerte Anzahl asiatischer Nationen zu kontrollieren (v.a. Franzosen und Briten in Indien, Burma, Laos, Vietnam, Kambodscha, Malaysia, etc.).

Der Weltkrieg und der Aufstieg der USA

Im frühen 20. Jahrhundert war praktisch die ganze Welt zwischen den Imperien (in erster Linie) Europas und der USA aufgeteilt. In der letzten Phase teilten die Europäer Afrika unter sich auf. Danach gab es keine neuen Länder mehr, die überfallen oder kolonisiert werden konnten. Nachdem sie die Völker und Länder der Welt in Besitz genommen hatten, wendeten sich die Imperialisten gegeneinander (wie sie es über Jahrhunderte getan hatten). Der 1. Weltkrieg war das unvermeidliche Ergebnis dieses Machtkampfes um die Weltherrschaft.

Während Westeuropa zwischen 1914-1918 verwüstet wurde, es nicht weniger als 20 Millionen Tote gab, blieben die USA relativ unberührt. Auch wenn es innerhalb der USA zu weit verbreiteter Repression, inklusive Massenverhaftungen und Abschiebungen gegen zehntausende europäische ImmigrantInnen kam, die als ‘Subversive’ abgestempelt wurden, mussten die USA keine Schlacht auf eigenem Grund und Boden erleiden. Die USA waren dem Krieg erst 1917 beigetreten und gingen mit einer stärkeren ökonomischen und militärischen Position daraus hervor als die Europäer.

Im Ergebnis des Krieges und durch eine (unter Kriegsrecht) erzwungene industrielle Produktion expandierte die US-amerikanische Wirtschaft. Der Wirtschafts’boom’ der Nachkriegszeit, die ‘Roaring 20s’ endeten 1929 mit dem Zusammenbruch der Börse und dem Beginn der großen Depression. Die Party war vorbei. Als Resultat der Überproduktion zwang diese ökonomische Krise mehrere Zehnmillionen in Arbeitslosigkeit, Armut und Hungertod.

In Antwort auf diese Krise, und die Drohung einer kommunistischen Revolution (z.B. der russischen Revolution von 1917), nahmen viele westliche Regierungen Zuflucht zu polizeilicher Repression und, wie es in Italien, Deutschland und Spanien der Fall war, zum Faschismus. Das 1933 entstandene Nazi-Deutschland wurde von vielen Geschäftsleuten und PolitikerInnen in den USA finanziert und unterstützt. 1939 hatte Deutschland benachbarte Länder überfallen, einschließlich Österreich [sic] und Polen. Diese Aggression wurde als Vorwand für den 2. Weltkrieg genutzt.

Als Krieg zur Beendung des Faschismus dargestellt, war der 2. Weltkrieg in Wirklichkeit das Ergebnis des ungelösten Machtkampfs, der zum 1. Weltkrieg geführt hatte. Während Westeuropa und Asien vom Krieg verwüstet wurden, gingen die USA ein weiteres Mal unversehrt und gestärkt daraus hervor. Gleichzeitig dehnte die Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken UdSSR ihre Kontrolle über Osteuropa aus. Im Ergebnis wurde die Welt zwischen zwei großen Blöcken aufgeteilt: dem kapitalistischen Westen und dem kommunistischen Osten.

Der 2. Weltkrieg und die ‘Dekolonisierung’ der UNO

In Folge der Zerstörung des 2. Weltkriegs waren die früheren europäischen Imperien nicht in der Lage, die direkte Kontrolle über ihre Kolonien aufrecht zu erhalten, da in Afrika und Asien starke antikoloniale Bewegungen entstanden. Viele dieser Kämpfe waren das Resultat von Machtkämpfen zwischen den USA und der UdSSR im ‘Kalten Krieg’. Auch förderten die USA die Dekolonisierung als Mittel der weiteren Untergrabung der westeuropäischen Staaten und der Ausdehnung des US-Imperialismus.

Das Ergebnis war die Explosion antikolonialer Aufstände in Afrika und Asien, Befreiungskriege, welche die europäischen Mächte erfolgreich außer Landes zwangen. Einige der am härtesten geschlagenen Schlachten waren jene in Algerien, Vietnam, Mozambique, Kenya und Rhodesien/Zimbabwe. Diese Periode antikolonialer Kriege dauerte von den 1950ern bis in die Mitte der 1970er Jahre.

Dabei wurden die Vereinten Nationen benutzt (basierend auf einer Rhetorik des Friedens und der Menschenrechte), die neuen unabhängigen Nationalstaaten ins globale System zu integrieren. Die UNO selbst wurde, darauf sollte man hinweisen, von den USA im Nachklapp des 2. Weltkrieges geschaffen, um eben solch ein System durchzusetzen. Die USA stellten die Finanzierung bereit und errichteten das UNO-Hauptquartier in New York City.

Gleichzeitig etablierten die USA den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank. Zusammen mit der UNO wurden diese Gruppen dazu genutzt, das globale System nach dem Krieg wieder aufzubauen. Am meisten profitierten US-Konzerne. An die Nachkriegsära wird in den USA gern als das ‘Goldene Zeitalter’ von Wohlstand und Stabilität erinnert.

Seit ihrer Gründung hat die UNO als komfortabler Deckmantel für den westlichen Imperialismus gedient, indem sie die fortwährenden kolonialen Invasionen rechtlich und moralisch sanktionierte (u.a. in den Kriegen in Korea und Vietnam, im Kongo, 1991 im Irak, in Somalia, Haiti, Afghanistan usw.) Diese Missionen werden als ‘friedenserhaltend’ oder ‘humanitär’ bezeichnet, obwohl ihr erstes Ziel die Erhaltung oder Wiedererzwingung westlicher Kontrolle ist.

Nachdem sie die Unabhängigkeit erlangt hatten, blieben viele Kolonien weiterhin abhängig vom westlichen ökonomischen System (eine Altlast des Kolonialismus, die u.a. im Export landwirtschaftlicher Produkte, von Petroleum und Mineralien im großen Stil besteht). Tatsächlich diente die Dekolonisierung der Öffnung dieser früheren Kolonien für die Durchdringung durch Konzerne, die ihren Sitz in den USA haben. Andere wurden durch Industrialisierung und Modernisierung ihrer Streitkräfte abhängig von der UdSSR. Alles in allem veränderte die Dekolonisierung grundsätzlich nichts am imperialistischen Verhältnis zwischen den westlichen Nationen und Afrika und Asien.

Vietnam und die Rebellion im Innern der USA

Vietnam wurde zuerst Mitte des 19. Jahrhunderts von den Franzosen kolonisiert. Nach dem 2. Weltkrieg nahm der anti-koloniale Widerstand gegen die Franzosen in Vietnam zu. 1954 wurden sie von vietnamesischen Guerillas in der Schlacht von Dien Bien Phu besiegt. Die USA, die in den 50ern begonnen hatten die Franzosen zu unterstützen, verstärkten ihr Engagement. Zur gleichen Zeit teilte die UNO das Land in zwei Hälften. Der Norden wurde von den vietnamesischen Kommunisten kontrolliert, während der Süden ein Marionettenregime der USA blieb.

Da der vietnamesische Widerstand gegen die ausländische Besatzung im Süden weiterging, setzten die USA mehr Truppen ein. Zunächst wurde eine Handvoll Spezialkräfte geschickt, um Anti-Guerilla-Einheiten zu trainieren und zu organisieren. 1968 befanden sich mehr als 500.000 US-Soldaten in Vietnam.

Zu dieser Zeit waren, inspiriert von den antikolonialen Kämpfen jener Zeit, überall auf der Welt Widerstandsbewegungen entstanden. Eine der Einflussreichsten war die der Vietnamesen, die ein Klima von Aufstand und Rebellion schuf. Innerhalb den USA starteten die Bewegungen der Black Panther, Costa Ricaner, Chicanos, Indigenen, Studenten, Frauen, Schwulen und Lesben und anderer. Sie waren zugleich Teil einer breiteren, multinationalen Anti-Kriegs-Bewegung.

In der gleichen Periode kam es im großem Ausmaß zu Riots in den Städten, die in erster Linie von Schwarzen getragen wurden und in deren Verlauf die Nationalgarde eingesetzt wurde, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Viele Zivilisten wurden getötet, es entstand Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. In Reaktion auf die zunehmenden Revolten und den organisierten Widerstand intensivierte das FBI seinen Feldzug innerstaatlicher Aufstandsbekämpfung (das Counter Intelligence Program COINTEL-PRO). Viele Organisierende der Bewegungen wurden getötet, eingesperrt, angegriffen, usw.

Unterdessen waren die US-Streitkräfte in Vietnam zunehmend demoralisiert. Bürger wie Soldaten begannen den Zweck des Krieges in Frage zu stellen. Gehorsamsverweigerung und Drogengebrauch wurden alltäglich in den US-Kampftruppen; ganze Einheiten weigerten sich zu kämpfen oder vermieden Gefechte. Kommandeure wurden zum Ziel von ‘Fragging’ (Ein Begriff der von der Praxis rührt, Kommandeure, die als gefährlich oder rücksichtslos gelten, mit Granaten zu töten oder zu verwunden).

Viele Kampfveteranen kamen traumatisiert und desillusioniert aus dem Krieg zurück. Einige beteiligten sich an den Widerstandsbewegungen und bereicherten diese um ihre Fähigkeiten und Kampferfahrungen. In den frühen 70ern formierten sich angesichts der tödlichen Repression Stadtguerilla-Gruppen in den USA, darunter das Black Liberation Movement, die puerto-ricanischen independistas, sowie weiße Anti-Imperialisten. Diese und viele andere Gruppen führten überall im Land Bomben- und Brandanschläge, sowie bewaffnete Angriffe auf die Polizei durch. 1973 kam es zur 73 Tage dauernden Belagerung von Wounded Knee, South Dakota.

Konfrontiert mit wachsenden internen Revolten, steigenden Opferzahlen (nicht weniger als 50.000 Tote) in einem immer unbeliebter werdenden Krieg, hatten sich die USA 1974 aus Vietnam zurückgezogen. Diese inneren Unruhen, und die Weigerung weiter Teile der Bevölkerung Kriege dieser Art zu unterstützen, wird als ‘Vietnam Syndrom’ bezeichnet.

Die neue Weltordnung

Der Begriff ‘Neue Weltordnung’ wurde zuerst 1990 von US-Präsident George Bush Sen. benutzt, als sich die USA auf die Invasion des Irak vorbereitete. Diese ‘Neue Ordnung’ war Ergebnis des Zusammenbruchs der UdSSR, mit ihr des gesamten Ostblocks. Mit dem Untergang der UdSSR wurden die USA zur vorherrschenden Weltmacht, der stärksten ökonomischen und militärischen Kraft in der Welt.

Der Drohung sowjetischer Vergeltung entledigt, fielen die USA 1991 in den Irak ein, wobei sie dem irakischem Militär und der Infrastruktur ernste Schäden beibrachten. Laut Schätzungen wurden nicht weniger als 200.000 Zivilisten getötet. Danach wurde ein UN-Embargo über den Irak verhängt, das den Import von Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und der für den Wiederaufbau nötigen Ausrüstung begrenzte.

Die UNO erließ auch Quoten für die Ölproduktion des Irak, so dass der Export von Öl im Austausch mit Nahrungsmittelimporten weiterging. Zudem errichteten die Streitkräfte der USA/UNO überall im Irak Militärbasen und führten systematische Bombardierungen durch, inklusive Angriffe mit Cruise Missiles Mittelstreckenraketen.

Krieg ums Öl und Weltherrschaft

Die Belagerung des Irak durch USA/UNO dauerte bis 2003, als die USA erneut dort einfielen. Die Invasion des Irak ist Teil einer größeren Strategie, die als Teil des Plans für die Weltherrschaft vorsieht, die direkte Kontrolle über das Öl des Nahen Osten zu erlangen. Ein Offizieller beschrieb es als “überwältige Quelle strategischer Macht und größte Beute der Weltgeschichte”.

Nach dem 2. Weltkrieg steigerten die USA in Folge des Rückzugs v.a. der britischen und französischen Streitkräfte während der ‘Dekolonisierung’ ihr Engagement im Nahen Osten. Konzerne wie Exxon, Gulf Oil, Standard und Texaco hielten Einzug. Israel (1948 durch zionistischen Krieg und Terror gegründet) ist vitaler Teil der allgemeinen Kontrolle der USA, dient als Stützpunkt der USA und Quelle der Instabilität in der Region. Andere arabische Länder, wie Saudi Arabien, Jordanien und Ägypten empfangen weltweit die meiste Militär- und Wirtschaftshilfe von den USA.

Die Planung und Vorbereitung der direkten US-Invasion des Nahen Osten begannen 1973 während der Öl-Krise, als arabische Nationen aus Protest gegen die US-Israelische militärische Aggression die Ölversorgung in der Region unterbrachen. In Folge dessen begannen die US-Streitkräfte mit ausgedehnten Trainings und Vorbereitungen für die Kriegsführung in der Wüste.

1979 entmachtete die islamische Revolution im Iran den US-gestützten Diktator (den Schah) und schnitt die USA von einer wertvollen Quelle billigen Öls ab. Demonstranten stürmten die Botschaft und nahmen mehr als 50 Amerikaner als Geisel. Die Geiselnahme war eine erniedrigende und frustrierende Geduldsprobe für die USA, die ohnmächtig und hilflos erschienen. 1980 endete eine versuchte Geiselbefreiung in einem Desaster, als die US-Spezialkräfte in der iranischen Wüste abstürzen (Die Geiseln wurden 1981 freigelassen).

Als Saddam Hussein 1980 an die Macht kam, nutzten die USA den Irak um den Iran anzugreifen. Der Krieg, in dem 2 Millionen Irakis und IranerInnen starben, dauerte bis 1988. Westliche Nationen, darunter die USA, Großbritannien und Frankreich, rüsteten beide Seiten mit Waffen aus – trotz weit verbreiteter Grausamkeiten und obwohl in diesem Konflikt Chemiewaffen eingesetzt wurden. Als der Krieg endete, schoss die US-Marine ‘versehentlich’ ein iranisches Zivilflugzeug ab und tötete an die 300 Passagiere.

Die iranische Revolution war eine wichtige Angelegenheit für die USA, sie schickten sich an ihre Kontrolle rapide auszudehnen. 1980 schufen die USA die schnelle Eingreiftruppe Rapid Deployment Force, die sich auf eine kurzfristig angekündigte Invasion im Nahen Osten vorbereitete. Von 1980-83 entstehen neue Militärbasen in Saudi Arabien und dem Oman. 1981 begannen im Nahen Osten die jährlichen Bright Star Manöver2.

1982 wurden an die 250 US-Marines mit einer LKW-Bombe in Beirut, im Libanon, getötet. Die Marines waren Teil einer ‘friedenserhaltenden’ Mission der UNO, um die Kontrolle über den Libanon zu erhalten. Nach dem Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan 1989 wurden die USA zunehmend zum Ziel islamischer militanter Gruppen. Heute ist allgemein bekannt, dass diese Gruppen (inklusive al-Qaeda) während dem sowjetischen Krieg in Afghanistan vom CIA trainiert, finanziert und bewaffnet wurden.

Als Ergebnis der Angriffe aufs World Trade Center am 11. September 2001 erklärten die USA ihren ‘Krieg gegen den Terror’, beginnend mit der militärischen Invasion und (andauernden) Besatzung Afghanistans. 2003 fielen die USA mit dem Vorwand von Massenvernichtungswaffen, die nicht gefunden wurden, in den Irak ein. Drei Jahre später (2006) dauert die Besatzung von Afghanistan und dem Irak an (Zwischendurch wird der Iran, neben Syrien und Nordkorea, als ‘Achse des Bösen’ von Bush ins Visier genommen).

Im Irak sehen sich die USA einem organisierten und sich ausweitenden Aufstand gegenüber, während innerhalb der USA eine steigende Zahl von Leuten zunehmend desillusioniert sind von diesem Krieg. Von seinen Anfängen im antiken Mesopotamien aus hat das westliche imperiale System nun den Kreis vollzogen, den Irak überfallend und zerstörend, das Heimatland Babylons selbst.

2. Einfluss des Kolonialismus

A. Die europäische Kolonialgesellschaft

Wenn wir über den allgemeinen Einfluss des Kolonialismus auf die indigenen Völker sprechen, darf der Aspekt der Gesellschaftsform, die ihnen die Europäer aufnötigten, nicht vernachlässigt werden. Auch wenn diese aus der Geschichte der westlichen Zivilisationen entstand, werden Kolonialgesellschaften durch ein Verhältnis der Unterdrückung der indigenen Bevölkerungen definiert, und haben daher bestimmte Charakteristika.

Siedler-Nationen

Siedler-Nationen sind Kolonien, in denen sich eine große Anzahl europäischer ImmigrantInnen ansiedelte, die im Lauf der Zeit Nationalstaaten gründeten. Kanada, die USA, New Zealand und Australien sind Beispiele solcher Siedler-Nationen.

Das Siedlertum ist von Natur aus parasitär, es nimmt nicht nur das Land und seine Ressourcen und beutet sie aus, sondern auch die indigene Kultur und ihr Wissen. Der Lebensstil der meisten Siedler ist einer des extremen Wohlstands, des Luxus und des Privilegs, bezeichnend dafür ist die Betonung von Unterhaltung und Freizeit.

Der Begriff des Siedlertums soll nicht verdecken, dass auch die römischen Bürger ein ähnliches Leben von extremem Reichtum und Luxus führten. Dieser Lebensstil ist wesentlich imperialistisch, was klar wird, wenn man über moderne Siedler-Nationen im Verhältnis zum Weltsystem nachdenkt. Sie sind imperialistische Nationen und der Lebensstil der meisten ihrer Bürger – insbesondere der Europäer – reflektiert dies.

Imperialismus

Imperialismus ist ein aus dem Kolonialismus erwachsendes regionales oder globales System, das auf politischer, ökonomischer und militärischer Kontrolle basiert. Rom war so ein Imperium, das Wort Imperium bedeutet Kommando und ist im Original latein. Auf der Höhe seiner Macht kontrollierte Rom weite Teile Westeuropas, Nordafrikas und des Nahen Ostens, sein Einfluss reichte bis nach Ostasien. In diesem ausgedehnten Imperium stand Rom als Hauptstadt, der von überall her Reichtum, Ressourcen und Sklaven zufloss (‘Alle Wege führen nach Rom’). Innerhalb des Imperiums kontrollierte Rom jeglichen Handel, alle Regierungstätigkeit und die Streitkräfte.

Heute dominieren die USA ein globales imperialistisches System, das auch Kanada und weite Teile Westeuropas umfasst (Die G7: Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, die USA und Großbritannien). Zusammen erzwingen diese Länder die politische, ökonomische und militärische Kontrolle über den Rest der Welt. Dabei spielen internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, der Internationale Währungsfond und die Weltbank eine entscheidende Rolle.

In Afrika, Asien, Zentral- und Südamerika ist die Mehrheit der Weltbevölkerung gezwungen in Fabriken, Minen, Ölfeldern und Farmen zu arbeiten, Rohstoffe abzubauen, Güter und Nahrungsmittel zu produzieren, vor allem für den Export in die imperialistischen Nationen.

Zur gleichen Zeit dienen die verarmten Länder als riesige Märkte für westliche Konzerne, die Waffen, Pestizide, industrielle Technologie und Maschinen etc. verkaufen. Kontrolle wird durch die Vergabe von Krediten ausgeübt, die an strenge Bedingungen der Rückzahlung gekoppelt sind. Dadurch können beispielsweise IWF und Weltbank diktieren, dass eine nationale Regierung die Sozialausgaben kürzt, bestimmte Industrien für ausländische Investoren öffnet, usw.

Apartheid

Apartheid bedeutet ‘Rassentrennung’ und kommt aus Südafrika, das einst von einem Minderheitenregime weißer Siedler regiert wurde. Rassische Segregation und [der Glaube an] die weiße Überlegenheit war über Jahrzehnte etabliert worden, 1948 wurden sie zur offiziellen Regierungslinie. Apartheid verlangte die völlige Trennung der Rassen, darunter Weiße, Afrikaner, Farbige (gemischte rassische Gruppen) und Asiaten (v.a. ostindischer Herkunft). Zur Ausarbeitung dieses Apartheidssystem entsendeten die Offiziellen Südafrikas zum Studium des nordamerikanischen Systems Delegationen nach Kanada und in die USA.

Bis die Apartheid 1993 abgeschafft wurde, konnten AfrikanerInnen nicht wählen oder Land besitzen, ihre Bewegungen wurden über Passgesetze kontrolliert, ebenso ihr Wohnsitz und ihre Arbeitsstelle. Nachdem sie zu Beginn in Reservationen lebten, wurden seit den 1960er Jahren basierend auf den Stammesnationen 10 große Bantustans für AfrikanerInnen errichtet. Sie bedeckten etwa 14% des nationalen Territoriums (AfrikanerInnen stellten etwa 75% der Bevölkerung). Auch als ‘Homelands’ bekannt, wurden sie für selbstverwaltet und sogar unabhängig erklärt, selbst wenn niemand außer Südafrika sie je anerkannte. In den selbstverwalteten Bantustans verloren die AfrikanerInnen die wenigen Rechte, die sie zuvor als ‘SüdafrikanerInnen’ hatten.

Die Bantustans befanden sich für gewöhnlich auf Land schlechter Qualität, das weder Nahrungsmittel noch Industrie hervorbrachte. Viele AfrikanerInnen zogen in städtische Gebiete, wo sie als verzweifelte und extrem ausgebeutete Arbeitskräfte in Townships am Rande der Stadt lebten. Der Rest des Landes ging an weiße Bergbauunternehmen (in denen arme AfrikanerInnen arbeiteten). Die Apartheid endete als Resultat eines langen Widerstandskampfes der AfrikanerInnen, das weiße Regime zu stürzen.

Im Süden der USA waren die Nachfahren afrikanischer Sklaven ebenfalls einem Apartheidssystem unterworfen, bis in den 1950er Jahren die Bürgerrechtsbewegung aufkam und es demontierte (manche beziehen sich auf Schwarze als eine innere Kolonie der USA). Auch wenn der Rassismus offiziell verurteilt wurde und das Apartheidssystem rechtlich zurückgenommen wurde, haben Schwarze in den USA weiterhin als unterdrücktes Volk unter Rassismus zu leiden.

In Kanada wie in den USA existiert die formale Apartheid für indigene Menschen noch immer. In Kanada fügt sich der Indian Act [Indianergesetz] zusammen mit dem Department of Indian Affairs und dem Amt für indianische Angelegenheiten zu einem Set von separaten Gesetzen, rechtlichem Status und politischen Systemen für indigene Völker. Eingeborene Völker leben weiterhin auf Reservationen, die sich meist auf Land befinden, das die Bevölkerung nicht mit traditionellen Methoden unterhalten kann. Im Ergebnis greifen viele in Kollaboration mit den Konzernen zu irgendeiner Form der Ressourcenausbeutung.

Ein Ergebnis der Apartheid besteht in einer allgemeine Wissenslücke bei nicht-indigenen Leuten über die sozialen Verhältnisse, in denen kolonisierte Völker leben. Sie besteht in der Tat in der Errichtung zweier getrennter Welten (z.B. Kolonisatoren und Kolonisierten).

White Supremacy – Weiße Überlegenheit

In weißen Siedlernationen kann Rassismus exakter als weiße Überlegenheit bezeichnet werden, der irrige und arrogante Glaube, dass alles Gute von den Europäern kommt, die von Natur aus schlauer, besser, schöner und stärker sind als alle anderen. Diese Botschaft wird permanent mit einer Vielfalt von Mitteln wiederholt, von offizieller Geschichtsschreibung bis Fernsehreportage, von Unterhaltung bis Justizsystem. Es ist so verbreitet und durchdringend, dass es als unausgesprochene Wahrheit akzeptiert wird.

Weiße Überlegenheit ist ein Grundpfeiler, auf dem die europäische Zivilisation errichtet wurde, ein Glaube, der es den europäischen Kolonisatoren ermöglichte sich an Invasion, Genozid und Sklaverei zu beteiligen. Das Christentum stellte eine wichtige Methode dar, die weiße Überlegenheit aufrecht zu erhalten. Während der Invasion der Amerikas war es die christliche Kirche, welche die kolonialen Streitkräften mit moralischer und rechtlicher Autorität versah. Tatsächlich war es die Pflicht der ChristInnen die Länder der ‘Ungläubigen’ und Heiden zu erobern und in Besitz zu nehmen (der Nicht-ChristInnen, was zu dieser Zeit bedeutete der Nicht-EuropäerInnen).

Jahrhundertelang erklärten weiße SiedlerInnen und Kolonialbehörden stolz, weiße Überlegenheit sei gerecht und Gottes Wille (genau wie der Kolonialismus). In den 1920ern hatte der Ku Klux Klan mehrere Millionen Mitglieder in den USA, denen sich zehntausende auf den kanadischen Prairien anschlossen. Viele Regierungsoffizielle, Bürgermeister, Geschäftsleute und Polizisten waren Mitglieder des KKK.

Nach dem 2. Weltkrieg und der Niederlage Nazi-Deutschlands war Rassismus als offizielle Regierungslinie weniger populär geworden. Infolge der Kämpfe der schwarzen Bürgerrechtsbewegung wurde er in den 1950er Jahren sogar verurteilt. Nach den Rebellionen der 1960er und 1970er Jahre beanspruchten Regierungen gar anti-rassistisch zu sein! Dessen ungeachtet ist die weiße Überlegenheit in der westlichen Gesellschaft weiter fest verankert, und nicht-europäische Völker werden weiter rassistisch unterdrückt und marginalisiert (trotz einiger Zugeständnisse).

Dem ist so, weil die weiße Überlegenheit tiefe Wurzeln in der europäischen Geschichte, Kultur und Philosophie hat. Es ist nicht das Problem einiger weniger Leute mit schlechtem Benehmen, es ist ein systemisches Problem, das durch soziale Institutionen, Glauben und Traditionen aufrecht erhalten wird. Weiße Überlegenheit ähnelt dem Patriarchat, ein Taboo Thema, das selten diskutiert wird, denn es trifft den Kern der westlichen Gesellschaft.

Patriarchat

Patriarchat bedeutet ‘männliche Herrschaft’. Die meisten antiken Gesellschaften begannen als patriarchale Systeme, in denen die erwachsenen Männer alle politische, ökonomische und soziale Macht innehatten. Frauen hatten nicht mehr Rechte als Sklaven. Im antiken Rom konnte ein erwachsener Mann seine Frau töten oder sie und ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen.

Im europäischen Mittelalter wurden Millionen Frauen durch die Heilige Inquisition getötet. Sie wurden beschuldigt Hexen und Heiden zu sein. In Westeuropa und Nordamerika konnten weiße Frauen bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht wählen.

Auf der anderen Seite waren die meisten indigenen Gesellschaften in Nordamerika vor der Kolonisierung matrilinear. Frauen verfügten über weit mehr politische, ökonomische und soziale Macht. Oft wurde die Abstammungslinie über die Mutter hergeleitet. Missbrauch wurde durch die Anwesenheit von Familie und Community im täglichen Leben begrenzt. Frauen wurde nicht als Eigentum des Mannes angesehen.

In den 1960er Jahren entwickelte sich an der Seite anderer sozialer Bewegungen in Nordamerika das Women´s Liberation Movement, die Bewegung zur Befreiung der Frau. Die Frauenbewegung forderte das Patriarchat heraus, in der Gesellschaft ebenso wie in den Bewegungen selbst. In den 1970er wurde manches von dieser Analyse absorbiert. Letztlich wurden einige Frauen in Regierung und Geschäftswelt gefördert, die Idee, dass Frauen weniger wert wären als Männer wurde unpopulärer.

Trotzdem ist das Patriarchat seit mehr als 2000 Jahren die Grundlage der westlichen Zivilisation geblieben. Wie die weiße Überlegenheit ist das Patriarchat nicht länger offizielle Politik, dennoch bleibt es als Lebensweise fest verankert. Im Allgemeinen genießen Männer weiterhin größere ökonomische, politische und soziale Macht, auch wenn Frauen jetzt rechtlich gleichgestellt sind. Frauen sind außerdem weiter Ziel von männlicher Gewalt und Missbrauch. In Kanada gibt es über 500 tote/vermisste eingeborene Frauen; in Mexiko, Guatemala usw. wurden hunderte Frauen vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Prostitution ist ebenfalls eine Form männlicher Herrschaft und Gewalt.

Als die Europäer die nordamerikanischen indigenen Nationen eroberten, mussten sie das Patriarchat durch Gesetze und politische Richtlinien aufzwingen. In Kanada musste ein Band-Council, der Stammesrat, aus zwölf männlichen Mitgliedern bestehen. Unter dem Indian Act verloren indigene Frauen, die Nicht-Indigene heirateten, ihre rechtlichen Ansprüche und ihren indigenen Status. Sie konnten keine Wohnung bekommen oder andere staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Im Zuge der Assimilation an den europäischen Way-of-Life dienten diese Maßnahmen dazu, die politische und ökonomische Macht an die indigenen Männer zu übergeben, die heute die Mehrheit der Band Chiefs und Ratsmitglieder stellt, ebenso die der Geschäftsleute, Gewerbetreibenden, etc.

Neo-Kolonialismus

Neokolonialismus bedeutet einen ‘neuen Kolonialismus’. Darin die indirekte Kontrolle der indigenen Leute durch staatlich finanzierte indigene Regierungen, Unternehmen und Organisationen. In Kanada z.B. gibt die Regierung jährlich Milliarden Dollar aus, um ein System des Neokolonialismus aufrecht zu erhalten: Sie finanziert Stammesräte, indigene politische Organisationen, soziale Programme, Kunst und Kultur, usw.

“Neokolonialismus beinhaltet die Verwendung von Indigenen zur Kontrolle ihrer eigenen Leute. Im Allgemeinen bedeutet dies, dass einige Leistungen der Dominanzgesellschaft an eine kleine, privilegierte Minderheit vergeben werden, im Austausch für deren Hilfe, dafür zu sorgen, dass die Mehrheit keinen Ärger macht… Das Bild des erfolgreichen Aboriginal in der Regierung hilft beim Aufbau des Mythos, dass alle Aboriginals einen Platz in der Dominanzgesellschaft haben.

Der Wechsel vom Kolonialismus zum Neokolonialismus ist ein Wechsel nur in der Art, wie der Staat das kolonisierte Volk kontrolliert. Kolonialismus ist ein System, in dem die kolonisierten Leute keine Kontrolle über ihr Leben haben – ökonomisch, sozial, politisch oder kulturell. Die Macht Entscheidungen in diesen wichtigen Bereichen des täglichen Lebens zu treffen liegt nahezu vollständig in den Händen anderer, entweder des Staates oder der Konzerne und Unternehmen […] Der Staat ist gewillt, einigen Reichtum eines rassistischen Systems mit ein paar Indigenen zu teilen, im Gegenzug für eine effektivere Methode die Mehrheit zu kontrollieren.

Die bedrohlichste und effektivste Form des Neokolonialismus hat der Staat in seinem Bemühen entwickelt, in, zuvor unabhängige, populäre indigene Organisationen zu intervenieren und diese zu kontrollieren. Sie begannen damit, den Assoziationen ein Darlehen zum Aufbau der Organisation zu geben, dann erhielten die gewählten Anführer dieser Organisationen immer höhere Gehälter – was sie nicht anders als die indigenen Bürkraten in der Regierung abhängig vom Staat machte. Im Lauf der Jahre wurde den Organisationen mehr Geld zur Verfügung gestellt – Geld für Wohnungsbau, ökonomische Entwicklung und Sozialleistungen, etc.

Der wichtigste Effekt der Finanzierung durch die Regierung, oder staatlicher Intervention, ist, dass der Staat, durch das Manipulieren von Zuwendungen weitgehend bestimmen kann, welche Strategien diese Organisationen nutzen werden. Es ist kein Zufall, dass jene Organisationen, die unabhängig waren vom Geld der Regierung, Mitte der 60er Jahre einer militanten Strategie folgten, welche die Regierung angriff. Nun, nach zwanzig Jahren der Zuwendungen, folgen sie einer Strategie, welche die Unterwerfung unter den Staat erfordert.” – Howard Adams, Tortured People: The Politics of Colonization, Seite 56f

Die Pyramide der Macht

Die Struktur der europäischen Gesellschaft ist, ihrer Natur nach, ein System der Unterdrückung und Kontrolle. Sie ist in einer Pyramidenstruktur organisiert, mit einer kleinen Elite an der Spitze und der Masse der Menschen am Boden. Indigene Leute stellen die Bodenschicht dieser Pyramide, und man kann sagen, dass sie buchstäblich auf ihnen errichtet wurde (z.B. wurde der Präsidentenpalast in Mexico-City auf einem aztekischen Tempel erbaut).

Die Pyramidenstruktur erscheint innerhalb der Zivilisation immer wieder, sie spiegelt die Unterdrückungsverhältnisse und -muster, auf denen solche Gesellschaft errichtet wurden. Die patriarchale Familieneinheit, die Regierung, die Kirche, die Armee, der Konzern; alle teilen eine ähnlich Organisation von Hierarchie, zentraler Autorität und Kontrolle.

In der Gesellschaft wird die Rolle, die man in der Pyramide einnimmt durch Geschlecht, Rasse und ökonomische Klassenzugehörigkeit bestimmt; die globale Elite besteht überwiegend aus reichen weißen Männern. Sie sind die Nachfahren des europäischen Adels, der nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums installiert worden war. Ihr Aufstieg zur Weltmacht begann 1492 mit der Invasion der Amerikas. Dieses Klassensystem wird im Interesse der Herrschenden aufrecht erhalten und von den nationalen Polizei- und Militärstreitkräften geschützt (u.a. Gerichte und Gefängnisse).

Global gesehen besteht die Pyramide der Macht aus den Verhältnissen zwischen Nationen; die vorherrschend euro-amerikanische Gruppe der Sieben (Die G7: Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien und die USA. Mit Russland bilden sie die G8) kontrolliert das internationale politische und ökonomische System. Sie sind die Spitze der Pyramide. Die meisten Länder der Welt sind arm und verelendet; sie bilden die Bodenschichten der Pyramide.

B. Die soziologischen Auswirkungen

Die soziologischen Auswirkungen sind jene, die die gesamte Gesellschaft/Nation betreffen. Darunter:

Genozid

Entsprechend Artikel 2 der UN Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 bedeutet Völkermord,

“eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören.

1. Tötung von Mitgliedern der Gruppe;

2. Verursachung von schwerem körperlichen oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;

3. Vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, deren körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;

4. Maßregeln verhängt, die Geburtenraten innerhalb der Gruppe verhindern sollen,

5. Kinder der Gruppe in eine andere Gruppe gewaltsam überführt”.

Entsprechend Artikel 4:

“Personen, die Völkermord oder eine der sonstigen […] aufgeführten Handlungen begehen, sind zu bestrafen, gleichviel ob sie regierende Personen, öffentliche Beamte oder private Einzelpersonen sind.”

Akte des Völkermords (wie sie von der UNO definiert werden) sind praktisch in allen kolonialen Invasionen und Besatzungen indigener oder souveräner Territorien an der Tagesordnung. Dies ist im Muster des militärischen Konflikts zu erkennen (Massaker, biologische Kriegsführung, verbrannte Erde), in der Assimilation (Internatsschulen), der Sterilisierung indigener Frauen, der Vergabe der Kinder an Pflegeeltern.

Es ist ganz klar, das gegen indigene Völker Akte des Völkermords begangen wurden, und begangen werden, auch in Kanada und den USA. Die sichtbarsten Auswirkungen sind die hohen Selbstmordraten, Alkohol und Drogenabhängigkeit, mentale Störungen, Armut, verinnerlichte Gewalt und Gefangenschaft in kolonisierten indigenen Bevölkerungen. Sie sind das direkte Ergebnis kolonialer Unterdrückung, die aus politischen und ökonomischen Richtlinien hervorgeht.

Dass die Mitglieder der UNO ihre eigenen Konventionen und internationales Recht derart eklatant verletzen können, dennoch ihren Status erhalten und keine Konsequenzen tragen müssen, liegt in der imperialistischen Struktur des Weltsystems selbst begründet.

Verlust des Territoriums und der Souveränität

Souveränität ist definiert als ‘oberste Autorität innerhalb eines Territoriums’, frei von äußerer Kontrolle und Abhängigkeit. Diese Definition wird verwendet, um die internationalen Beziehungen zwischen Nationen zu beschreiben, die als souveräne Einheiten gesehen, über totale Unabhängigkeit sowie Kontrolle über ein bestimmtes Gebiet verfügen.

Eine Nation wird oft beschrieben als eine Gruppe, die eine gemeinsame Ethnizität, Sprache, Kultur, Geschichte und Territorium teilt. Heute werden auch Begriffe wie Land oder Staat verwendet, um Nationen zu beschreiben, aber eine Nation ist korrekter beschrieben als eine Gruppe von Leuten, nicht als ein Nationalstaat (der häufig viele Nationen in seinen Grenzen hält).

Entlang interner Regierung und Unabhängigkeit ist der wichtigste Aspekt der Souveränität die Fähigkeit zu kontrollieren, wer das Territorium betritt. Diese Kontrolle ist für die Selbstverteidigung und Sicherheit der Nation selbst notwendig. Angesichts bewaffneter Aggression kann diese Verteidigung nur von irgendeiner Form von militärischer Kraft gewährleistet werden.

Auch wenn der Begriff seinen Ursprung in europäischen politischen Begriffen hat, ist allgemein anerkannt, dass die indigenen Nationen vor der Kolonisierung über alle Attribute der Souveränität verfügten. Eine frühe Anerkennung dessen durch die Kolonialmächte liegt im Abschluss von Verträgen (Verträge als internationale Übereinkunft zwischen zwei oder mehreren Nationen).

Heute beinhalten Begriffe wie First Nations oder Selbstregierung eine gewisse Form von Souveränität. In den USA ist häufig von ‘tribal sovereignty’, von ‘Stammes-Souveränität’ die Rede, um die Macht des Stammesrats auf den Reservationen zu beschreiben. Keiner dieser Begriffe aber, wie die politischen Richtlinien, denen sie entspringen, gründet in irgendeiner Weise in der tatsächlichen Ausübung souveräner Macht der indigenen Völker.

Assimilation

Folgend auf die Periode der militärischen Invasion, sobald die Besatzung installiert ist, werden überlebende indigene Bevölkerungen der Politik der Assimilation unterworfen. Dies ist nur möglich nach ihrer militärischen Niederlage.

In vielen kolonialen Situationen ist der erste Schritt der Assimilation, die überlebenden indigenen Bevölkerungen in einem Reservatssystem in Schach zu halten (z.B. die südafrikanischen Bantustans oder die Reservationen in Nordamerika). Dies ist nötig, um das Territorium für Siedlerinnen und die Erkundung zu öffnen, zugleich bietet es die Grundlage einer systematischen Indoktrination durch die europäische Gesellschaft.

In vielen kolonialen Situationen beginnen Kirche und Missionen den Prozess der Indoktrination. Eine verbreitete Taktik ist das gewaltsame Fortnehmen der Kinder von ihren Familien und Communities, und ihr Verbringen in kirchengeleitete Schulen (z.B. Missions-Schulen, Internats- oder Handwerks-Schulen).

Wichtigstes Ziel der Indoktrination waren Chiefs oder hochrangige Familien; sobald sie konvertiert waren, dienten sie als nützliche Kollaborateure, fähig, ihre Community zu beeinflussen und Ressourcen zu mobilisieren.

Zusammen mit der Erziehung werden alle Aspekte der kolonialen Gesellschaft im Prozess der Assimilation genutzt, beispielsweise politische, ökonomische, ideologische, kulturelle, usw. Ziel ist, soviel wie möglich von der indigenen Kultur und Philosophie auszuradieren, und sie mir denen der europäischen Zivilisation zu ersetzen.

Assimilation ist die letzte Phase der Kolonisierung. Was sie von den vorherigen Phasen der Aufklärung, der Invasion und der Besatzung unterscheidet, sind ihre vornehmlich psychologischen Aspekte. Sie ist kein militärischer Angriff gegen ein Dorf, sondern ein psychologischer Angriff auf die Köpfe und das Glaubenssystem eines Volkes.

Als Ergebnis der Assimilierungspolitik wurden in Kanada und den USA Generationen von indigenen Leute zunehmend in die europäische Gesellschaft integriert. Seit den 1970ern haben mehr indigene Leute eine professionelle Laufbahn eingeschlagen (Anwälte, Ärzte, Geschäftsleute, usw.), mehr haben Universitäten und Colleges durchlaufen. Im Ergebnis dieses vermehrten Ausbildung verwalten Band-Council die politischen Richtlinien der Regierung nun selbst und sind mehr an Geschäften und Ressourcenausbeutung beteiligt als zu jeder anderen Zeit in der Vergangenheit.

Während dies als Fortschritt angepriesen wird (und sogar als ‘Dekolonisierung’), handelt es sich dabei um eine größere Assimilation in die koloniale Gesellschaft. Insgesamt zeigen heutige Generationen indigener Leute ein höheres Maß an Assimilation als frühere. Einige Faktoren, die dazu beitragen sind Effekte der Internats-Schulen, der Rückgang der Kultur, vermindertes Vertrauen in traditionelle Lebensweisen, größere Abhängigkeit vom kolonialen System, zunehmende Urbanisierung, das andauernde Ausgesetztsein der westlichen Kultur durch die modernen Kommunikationsmittel (Fernsehen, Filme, Musik, Druckerzeugnisse, etc.).

C. Individuelle Auswirkungen

Post-traumatische Belastungsstörungen

Allgemein kann gesagt werden, dass indigene Völker sowohl als Gruppe als auch als Individuen unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) leiden.

“Traumatische Ereignisse drehen sich um Tod oder die Drohung mit dem Tod; Verletzung oder die Drohung mit Verletzung. Es sind nicht einfach die Ereignisse selbst, sondern das Erlebnis, das diese Ereignisse traumatisch werden lässt.”Trust after Trauma, Seite 339

Einige Beispiele traumatischer Ereignisse sind Kriege, Naturkatastrophen, körperlicher oder sexueller Missbrauch, Raub, Entführung usw. PTBS betrifft viele Überlebende eines Traumas, wie Kriegsveteranen, Opfer von Folter, sexuellem oder körperlichem Missbrauch etc.

Kolonisierung und Genozid sind Beispiele eines kollektiven Traumas, das Kultur und Identität eines Volkes beeinflusst. Auf individueller Ebene erleben indigene Leute weiterhin traumatische Ereignisse, darunter weit verbreiteter sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt, Selbstmorde, Polizeigewalt, Einsperrung, usw.

Symptome von PTBS sind u.a. Depression, Paranoia, Panik und Angstattacken, Schlafstörungen, etc. Depression ist durch starke Gefühle von Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung, Reizbarkeit, unregelmäßigen Schlaf und die Unfähigkeit gekennzeichnet Freude zu empfinden. Auch erfahren viele Traumaüberlebende Gefühle von Scham und Schuld dafür, zu ‘widerwilligen KomplizInnen’ geworden zu sein, als sie gezwungen wurden sich an traumatischen Ereignissen zu beteiligen, sie zu ertragen und / oder mit anzusehen. Allgemein ist “der tiefste Verlust, den Traumaüberlebende erfahren ist der Verlust eines positiven Selbstbildes.”Trust after Trauma, Seite 29.

Opfer traumatischer Ereignisse können Schwierigkeiten haben, Beziehungen zu begründen, die auf Vertrauen aufbauen, insbesondere wenn der Missbrauchende ein Familienmitglied war. Frauen, die von Männern vergewaltigt wurden, mag es schwer fallen irgendwelchen Männern zu vertrauen. Überlebende eines Traumas können unter Essstörungen und der Sorge ums Körperbild leiden. Alkohol, Drogen und / oder sexuelle Promiskuität sind übliche Methoden damit fertig zu werden.

PTBS ist nur eine der möglichen Reaktion auf ein Trauma, darunter die Somatisierung (körperliche Erkrankung, entstehend aus Wut, Schmerz usw.) und die Dissoziation (mentales Blockieren oder ‘Vergessen’ des traumatischen Ereignisses). Zusätzlich müssen Traumaüberlebende mit Zweifeln, Zurückweisung oder sogar Feindseligkeit von Angehörigen in Familie oder Community fertig werden (die dem Opfer beispielsweise die Schuld geben). Wenn sie nicht zurückgewiesen werden, wird von Überlebenden eines Traumas erwartet, über ihre Erfahrungen Stillschweigen zu bewahren, insbesondere was Beschuldigungen an Missbrauch beteiligter Familien- oder Community-Mitglieder angeht.

Viele, aber nicht alle der folgenden individuellen Folgen des Kolonialismus lassen sich zu irgendeiner Form von posttraumatischer Belastungsstörung zurückverfolgen.

Individualismus, Identität und Minderwertigkeitskomplex

Mit dem Zusammenbruch der indigenen Gesellschaft ging auch das Zerbrechen und die Zersplitterung der Nationen und Familien einher. Europäische Werte von Individualismus und Eigeninteresse (wesentlich kapitalistisch) ersetzten zunehmend traditionelle indigene Werte von Community und Kollektivität. Tatsächlich wurde das ganze Gewebe der indigenen Kultur und Gesellschaft auseinander gerissen:

“Da die Kolonialherrschaft total und nivellierend ist, hat sie es in kurzer Zeit geschafft, die kulturelle Existenz des unterdrückten Volkes gründlich zu zerrütten. Die Negation der nationalen Realität (Verlust von Souveränität), die durch die Besatzungsmacht eingeführten neuen juristischen Verhältnisse (z.B. der Indian Act), die Verdrängung der Eingeborenen und ihrer Gebräuche an die Peripherie der kolonialen Gesellschaft (Reservationen), die Enteignung (Diebstahl), die systematische Unterjochung der Männer und Frauen machen dieses Verbleichen der Kultur möglich” – Frantz Fanon Die Verdammten dieser Erde, Seite 199 f.

Der Zusammenbruch von Familie und Community ist vom Verlust der Kultur begleitet. Die Konfrontation mit der systematischen Assimilation in die europäische Kultur führt im Ergebnis zu einem Verlust der Identität und Gefühlen der Minderwertigkeit:

“Alle Anstrengungen werden unternommen, um den Kolonisierten dazu zu bringen, die Minderwertigkeit seiner in instinktive Verhaltensweisen abgesunkenen Kultur einzugestehen, die Unwirklichkeit seiner Nation zuzugeben und, im äußersten Fall, den unorganisierten und unvollendeten Charakter seiner biologischen Struktur.” – Frantz Fanon Die Verdammten dieser Erde, Seite 200

Verinnerlichte Gewalt

Ein Ergebnis der physischen und psychischen Auswirkungen des Kolonialismus ist die Etablierung von Mustern verinnerlichter Gewalt und Verbrechen. Kolonisierte neigen dazu, sich gegenseitig anzugreifen und zu Opfern zu machen. Diese Angriffe reichen von gewalttätigen Übergriffen und Mord bis zu Kleinkriminalität und Vandalismus. Diese Muster sind weit verbreitet bei kolonisierten Völkern (so sind z.B. die erste Todesursache junger schwarzer Männer in den USA junge schwarze Männer).

Ein Grund dafür, dass die Kolonisierten Jagd aufeinander machen liegt in der Nähe; die eigene Familie und Community sind direkt vor Ort, während der Unterdrücker in einer anderen Welt lebt. Zusammen mit einem System der Apartheid separieren die physischen Realitäten des Kolonialismus, die Schaffung von Reservaten und städtischen Ghettos, die Kolonisierten von den Communities der SiedlerInnen.

Schwerer als die physische Nähe der eigenen Leute jedoch wiegt der psychologische Einfluss der Kolonisierung. Die Community der SiedlerInnen ist nicht nur physisch weit entfernt, sie ist auch fremd und bedrohlich. Sie ist gut abgeschirmt. Die Strafen für die persönliche Verletzung einer SiedlerIn oder ihres Eigentums sind höher als für die eigenen Leute.

Viele Formen verinnerlichter Gewalt entstehen aus der europäischen Kolonialgesellschaft selbst. Der bei indigenen Völkern in Kanada und den USA weit verbreitete sexuelle Missbrauch beispielsweise wurde zuerst durch das Internatsschulsystem eingeführt. Kinder, die Missbrauch durch das Personal der Schulen (Priester und Nonnen) erlebt hatten, kehrten in ihre Communities zurück und begannen, ihre eigenen Familienmitglieder zu missbrauchen, was zu generationsübergreifenden Missbrauchsmustern führte, die bis heute andauern.

Alkohol, Drogen und Selbstmord

Entstehend aus den drückenden sozialen Verhältnissen, die der Kolonialismus erzeugt (z.B. Armut, Identitätsverlust, Minderwertigkeitsgefühle, etc.) leiden indigene Völker in ländlichen wie in städtischen Communities unter hohen Raten von Alkoholismus, Drogenmissbrauch und Selbstmord. Sie sind übliche Methoden, um der bedrückenden Routine des Lebens von Tag zu Tag vorübergehend zu entfliehen, das Trauma oder die Spannung zu unterdrücken oder die Gefühle von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu beenden (Selbstmord).

Der hohe Anteil von gewaltsamen Toden und Gefangenschaft bei indigenen Völkern sind auf Alkohol- und Drogenmissbrauch zurückzuführen. Laut einer Studie geschahen 45% aller Selbstmorde von 15-34jährigen in Saskatchewan unter Alkoholeinfluss; 92% aller tödlichen Fahrzeugunfälle, mehr als 38% der Morde und über die Hälfte der Tode durch Feuer und Ertrinken – First Nations in Canada, Seite 86

Die Selbstmordrate bei indigenen Völkern in Kanada wird auf 33 je 100.000 EinwohnerInnen geschätzt, im Vergleich zum nationalen Durchschnitt von 13 aus 100.000. Bei der indigenen Jugend zwischen 15 und 24 Jahren beträgt die Rate 114 aus 10.000, verglichen mit 26 aus 100.000 in der allgemeinen Bevölkerung (First Nations in Canada, Seite 83 und 85).

Die Royal Commission on Aboriginal People, königliche Ureinwohnerkommission, kommt in einer etliche Millionen teuren Untersuchung über die Lebensbedingungen indigener Völker in Kanada zu dem Schluss:

“Wir folgern daraus, dass Selbstmord ein Symptom aus einer Reihe von Symptomen ist, die vom Schuleschwänzen und Gesetzesübertretungen zu Alkohol- und Drogenmissbrauch und häuslicher Gewalt weitgehend austauschbarer Ausdruck der Last des Verlustes, der Trauer und der Wut sind, die indigene Menschen in der kanadischen Gesellschaft erfahren.” – RCAP, 1995: 90; zitiert in: First Nations in Canada, Seite 83.

Gesundheit

Ein Hauptargument zu Gunsten des Kolonialismus war, dass er den indigenen Völkern die Vorzüge der Zivilisation gebracht, und damit ihren Lebensstandard erheblich gehoben habe. Die völkermörderischen Praktiken des Kolonialismus entkräften solche Behauptungen mit Leichtigkeit, dennoch halten sie sich hartnäckig, basierend auf der falschen Sicht, dass die eingeborenen Völker es kaum schafften zu überleben und genug für ihre magere Existenz zusammenzukratzen, dass sie allen Arten von Verletzungen, Krankheiten und Tod zum Opfer fielen. Tatsächlich “haben AntropologInnen längst erkannt, dass ungestörte Stammesvölker sich häufig in exzellenter körperlicher Verfassung befinden”Victims of Progress, Seite 144

Weit davon entfernt den Lebensstandard indigener Völker zu heben, stürzte sie der Kolonialismus vielmehr in die ökonomische Verarmung, führten zu Krankheit und einem sich rasch verschlechternden gesundheitlichen Zustand. Drastische Veränderungen der Ernährung infolge des begrenzten Zugangs zu (oder der Zerstörung von) traditionellen Nahrungsmitteln, sowie die Abhängigkeit von europäischen Nahrungsmitteln haben erhebliche Gesundheitsprobleme bei indigenen Völkern verursacht.

Nachdem sie Weißmehl, Zucker, Milch usw. ausgesetzt waren, begannen die indigenen Völker unter rasantem Verfall der Zähne und unter Mundkrankheiten zu leiden. Nach Generationen der Abhängigkeit von europäischer Nahrung leiden indigene und andere kolonisierte Völker heute unter hohen Raten von Diabetes, Fettleibigkeit, hohem Blutdruck und Herzproblemen. Indigene Völker leiden ebenfalls unter den höchsten Raten von Krankheiten wie Tuberkulose, Lungenentzündung, Krebs, AIDS, Gelbsucht, usw.

In Kanada wird die häufigste Todesursache bei indigenen Völkern als von einer Verletzung herstammend kategorisiert, in erster Linie von Verkehrsunfällen. Wie das Beispiel Saskatchewan zeigt, sind die meisten dieser Unfälle Ergebnis von Alkoholmissbrauch. Der Tod durch Verletzung trägt für mehr als ein Viertel aller Todesfälle bei indigenen Völkern Rechnung, die Rate liegt bei 148 aus 100.000, verglichen mit dem nationalen Durchschnitt von 46.9 pro 100.000 – First Nations in Canada, Seite 81

Die nächst häufigste Todesursache sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzinfarkte). Sie stellen zwei Drittel aller Todesfälle bei indigenen Völkern. Die Tuberkuloserate ist etwa 47 aus 100.000, im Vergleich zum nationalen Durchschnitt von 7.2 auf 100.000. Diabetes wurde als eines der gängigsten chronischen Gesundheitsprobleme indigener Völker beschrieben, das zu zahlreichen Nebenfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blindheit, Nieren- und Nervenschäden sowie Fettleibigkeit führt.

Falsche Ernährung, insbesondere Proteinmangel, ist zu einem zentralen Problem für indigene Völker überall auf der Erde geworden. Zusätzlich verschlimmert wird der schlechte Gesundheitszustand durch Urbanisierung und Armut, schlechte Sanitär- und Wohnverhältnisse, Stress und Trauma, sowie durch das hohe Ausmaß an Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Auch die Belastung durch industrielle Schadstoffe, darunter Chemikalien wie Quecksilber, Blausäure und Uran hatte, ebenso wie jene durch Düngemittel, verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit indigener Völker. In Gebieten mit ausgedehntem Bergbau, industrieller Produktion (z.B. Papiermühlen, Öl- und Gasförderung) oder Landwirtschaft leiden indigene Völker unter hohen Raten von Krebs, missgebildeten Kindern, Totgeburten, usw. Dies ist das Ergebnis ihrer räumlichen Nähe zur Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, der Belastung durch Kontamination von Wasser und Nahrungsmittelkette (Jagen und Fischen), sowie dem mangelhaften Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung.

Wenn du für nichts stehst…

fällst du für irgendwas!

3. Dekolonisierung

Dekolonisierung ist das Beenden des Kolonialismus und die Befreiung der Kolonisierten. Dies erfordert die Demontage der kolonialen Regierung und ihres ganzen Sozialsystems, auf das Kontrolle und Ausbeutung gründen. Dekolonisierung ist also ein revolutionärer Kampf, der auf die Transformation des ganzen Sozialsystems zielt und die Souveränität der Stammesvölker wieder herstellt. In politische Begriffe gefasst bedeutet dies eine radikale Dezentralisierung nationaler Macht (z.B. die Demontage des Nationalstaats) und die Herstellung lokaler Autonomie (Community und Region, traditionell das Dorf und die Stammesnation).

Jegliche Diskussion über Dekolonisierung, welche die Zerstörung des kolonialen Systems und die Befreiung von Land und Leuten nicht in Erwägung zieht, kann nur zu größerer Assimilation und Kontrolle führen. Die Forderung nach mehr politischer und ökonomischer Macht für Chiefs und Stammesräte dient, selbst wenn sie als eine Form der Dekolonisierung dargestellt wird (z.B. ‘Selbst-Regierung’), nur dazu, indigene Völker tiefer ins koloniale System zu assimilieren.

Gerade so, wie der Kolonialismus verschiedene Phasen betritt und durchläuft, beginnend mit Aufklärungsmissionen hin zur Anwendung militärischer Gewalt, gilt gleiches auch für die Dekolonisierung. Es wäre ein Fehler, unter Dekolonisierung ein einzelnes Ereignis zu verstehen. Vielmehr ist es sie ein Prozess, der mit Individuen und kleinen Gruppen beginnt. Der zentrale Fokus in der ersten Phase der Dekolonisierung besteht im Abrücken vom kolonialen System und dem Wieder-Erlernen der eigenen Geschichte, Kultur, usw. In dieser Phase liegt das Schwergewicht auf der Zurückweisung der europäischen Gesellschaft und dem Begrüßen alles Indigenen als gut und positiv.

Einige übliche Schritte dieser Phase sind die Rückkehr zur eigenen Community, die Wieder-Herstellung von Familienbeziehungen, die Wieder-Erlernung der Kultur (u.a. Kunst, Sprache, Lieder, Zeremonien, Jagen, Fischen, usw.). Dies wirkt nicht nur den zerstörerischen Effekten des Kolonialismus entgegen, sondern flößt der indigenen Person auch größeren Respekt und Anerkennung vor der eigenen Kultur und Lebensweise ein. Auf vielerlei Art ist es ein Kampf um Identität und Sinn. Während dies einen zentralen Aspekt eines jeden Dekolonisierungsprozesses darstellt, führt der Fokus auf kulturelle Identität als Selbstzweck ohne Beimischung einer radikalen und revolutionären Perspektive nicht notwendig zu anti-kolonialem Bewusstsein. Tatsächlich kann dieser ausschließliche Fokus auf ‘Kultur’ sehr leicht zu konservativen oder gar pro-kolonialen Meinungen führen.

Ermächtigt von ihrer erneuerten kulturellen Identität, häufig aus einem Mischmasch von Tradition, Christentum und New Age Spiritualität abgeleitet, beginnt das ‘dekolonisierte’ Individuum zu glauben, dass sich nichts wirklich verändert hat, dass sie, wenngleich in einer völlig anderen Welt, wirklich die Lebensweise ihrer Vorfahren leben. Sie rationalisieren ihr Verhältnis zur kolonialen Welt als eines höchster Anpassung, während sie zugleich ihre ‘persönliche Macht’ gegen die Macht des Systems stellen. In dieser Fantasiewelt glauben die SpiritualistInnen, nicht zu geringem Anteil durch das System selbst dazu inspiriert, dass sich allein durch Gebete und Zeremonien alles zum Guten wenden wird.

Der Einfluss der Spiritualität des New Age und des Christentums auf indigene Völker ist nicht schwer auszumachen. Geboren aus der europäischen Sklavengesellschaft lehren diese religiösen Ideologien Gehorsam und Unterwerfung unter die Autorität, inklusive Gewaltfreiheit angesichts gewalttätiger Repression (einer Taktik der Schwachen, die zum moralischen oder spirituellen Prinzip erhoben wurde). Konfrontiert mit der überwältigenden Unterdrückung und Zerstörung, die das System am Laufen hält, ziehen sich die New Age SpiritualistInnen in ihre Fantasiewelt zurück, in der alle Konflikte gelöst sind und keine Unterschiede gemacht werden zwischen Unterdrücker und Unterdrückten.

Von Anfang an besteht so die Möglichkeit der Kooptierung individueller Bemühungen der Dekolonisierung. Diese Kooptierung wird teilweise durch das koloniale System entwickelt – in Form von Finanzierung und Bewerbung kultureller Programme, zu Bildungszwecken zusammengestellter Materialien, usw. – und der offiziellen Anerkennung hochkarätiger KollaborateurInnen als ‘spirituelle Führer’.

Nach den KollaborateurInnen, die in das System der Indian Act Stammesräte verstrickt sind, zählen die SpiritualistInnen zu den häufig lautstärksten GegnerInnen des anti-kolonialen Widerstands auf Ebene der Community. Von politischen FührerInnen dahingehend beeinflusst und manipuliert, diese Rolle zu spielen, handeln sie zugleich gemäß ihrer eigenen Logik, die im Wesentlichen konservativ ist. Während sie dem organisierten Widerstand aktiv entgegentreten, schweigen sie in Bezug auf die koloniale Unterdrückung und plädieren dafür, den Status Quo aufrecht zu erhalten (Konservatismus). Wie ist es möglich, dass die indigene Kultur, die Basis der Dekolonisierung, so einfach kooptiert werden kann?

Kultur und der Kampf um Befreiung: Fanon

Frantz Fanon (1925-1961) war ein karibischer Intellektueller und Psychologe, der sich in den 1950er Jahren am Unabhängigkeitskrieg in Algerien beteiligte. Seine Analyse des Kolonialismus und seiner Auswirkungen auf kolonisierte Völker hatte weitreichenden Einfluss auf anti-koloniale Widerstandsbewegungen überall auf der Welt. Für Fanon war die Kultur lebenswichtiger Bestandteil dieses Widerstands.

Wie erwähnt ist die indigene Kultur ein primäres Mittel der Dekolonisierung. Sie ist beides, eine Verbindung zur Vergangenheit unserer Vorfahren, und zu einer anderen Art zu denken, die Welt zu sehen. Sie ist das Wesentliche unserer Identität als indigene Völker und lebenswichtiger Bestandteil davon, die koloniale Ideologie herauszufordern. Doch, wie Fanon und andere beobachteten, ist diese Kultur, wenn sie nicht total ausradiert wurde, verzerrt und verdreht durch die koloniale Gesellschaft:

“Die koloniale Situation bringt fast die gesamte nationale Kultur zum Erliegen. […] Nach ein oder zwei Jahrhunderten der Ausbeutung kann man einen regelrechten Schwund im Panorama der nationalen Kultur feststellen. Sie wird zu einem Reservat motorischer Gewohnheiten, alter Traditionen der Kleidung, zerfallener Institutionen. Sie ist unbeweglich, unschöpferisch, steril. Verelendung des Volkes, nationale Unterdrückung und Hemmung der Kultur sind ein und dasselbe. Nach einem Jahrhundert Kolonialherrschaft findet man nur noch eine äußerst erstarrte, abgelagerte, versteinerte Kultur vor. Der Verfall der nationalen Realität und die Agonie der nationalen Kultur sind voneinander abhängig.” – Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Seite 200 f

Hier beschreibt Fanon die Auswirkungen des Kolonialismus auf die Kultur. Ihre natürliche Entwicklung, die Korporation neuer Erfahrungen usw. wird mehr oder weniger im Moment des Kontakts gestoppt. Es ist die koloniale Macht (oder AnthropologInnen etc.), die auf vielerlei Art dahin kommt zu definieren was traditionell ist und was nicht. Die Kolonisierten, im Bestreben die traditionelle Kultur zu erhalten, stoppen zugleich deren Entwicklung und setzen, im Bestreben eine vorgestellte ‘Reinheit’ zu erhalten, der Interpretation strenge Grenzen. Während die vordergründigen Aspekte der Kulturrr erhalten bleiben, geht das Wesentliche und die Lebendigkeit der Kultur selbst verloren oder wird bagatellisiert (man denke an Pow-Wows, oder an den Einfluss von Christentums und New Age Spiritualität auf die indigene Kultur).

Eine wichtiger Punkt, den Fanon macht, ist dass die Kultur eines Volkes in direkter Verbindung zur physischen Welt steht: Die koloniale Besatzung des Territoriums einer Nation ist total, beeinflusst alles und jeden. Laut Fanon ist es der anti-koloniale Widerstand, der die Kultur der Kolonisierten revitalisiert:

“Der Kampf für die nationale Existenz gibt zunächst die Kultur frei, öffnet ihrer Produktion die Türen […] Wir sind der Meinung, dass der organisierte und bewusste Kampf eines kolonisierten Volkes um die Wiederherstellung der nationalen Souveränität die stärkste Äußerung einer Kultur ist, die es überhaupt gibt. Nicht allein der Erfolg des Kampfes verleiht der Kultur Gültigkeit und Kraft; sie wird auch während des Kampfes nicht einfrieren. Der Kampf selbst entwickelt in seinem Ablauf und seinem inneren Prozess die verschiedenen Richtungen der Kultur und deutet neue an. Der Befreiungskampf gibt der nationalen Kultur nicht ihren alten Wert und ihre früheren Konturen wieder; er strebt eine grundsätzliche Neuordnung der Beziehungen zwischen den Menschen an und kann daher weder die Formen noch die Inhalte der Kultur unberührt lassen. Nach dem Kampf verschwindet nicht nur der Kolonialismus, sondern auch der Kolonisierte.” – Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Seite 206 f

Im Prozess des Kampfes wird die Kultur der Kolonisierten in ein Mittel des Widerstands verwandelt; sie nimmt neue Ausdrucksformen in sich auf und interpretiert die traditionelle Kultur, damit diese relevant wird für die neue koloniale Realität (und die gegenwärtigen Generationen). Fanon benutzt Beispiele der Literatur, der mündlichen Überlieferung, aus dem Handwerk, von Tänzen, Liedern und Zeremonien, die sich entlang des anti-kolonialen Widerstands entwickeln:

“Während der kolonisierte Intellektuelle sich anfangs ausschließlich an die Adresse des Unterdrückers wandte, entweder um ihn zu bezirzen oder um ihn […] anzuklagen, richtet er sich jetzt mehr und mehr an sein Volk […] Es ist ein wirkliche Literatur des Kampfes, insofern sie ein ganzes Volk zum Kampf für die nationale Existenz aufruft.

Auch die mündliche Literatur, die Märchen, Heldengesänge, Volkslieder von früher beginnen sich zu verändern. Die Geschichtenerzähler beleben ihr bisher starres Repertoire von Episoden, führen immer entscheidendere Neuerungen ein, um die Konflikte zu aktualisieren, die besungenen Kampfformen, Heldennamen und Waffenarten zu modernisieren. Die Technik der Anspielungen verbreitet sich. Die Formel ‘Vor langer, langer Zeit…’ wird ersetzt durch die zweideutige Formel ‘Was wir erzählen wollen, hat sich irgendwo abgespielt, aber es könnte sich auch hier abspielen, heute oder morgen’. Das algerische Beispiel ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Von 1952/53 an revolutionierten die Geschichtenerzähler ihre stereotypen und langweiligen Vortragsmethoden und den Inhalt ihrer Erzählungen von Grund auf […] Der Kolonialismus hat sehr wohl gewusst, warum er diese Geschichtenerzähler von 1955 an systematisch verhaften ließ.

Die Anteilnahme des Volkes am neuen Hedenepos ruft einen neuen Atemrhythmus, vergessene Muskelspannungen hervor und bereichert die Vorstellungswelt […] Lange vor der bewaffneten oder politischen Phase des nationalen Kampfes kann ein aufmerksamer Beobachter also spüren und sehen, wie sich die neue Kraft, der bevorstehende Kampf ankündigt. Ungewohnte Formen des Ausdrucks, neue Themen, denen nicht mehr nur die Macht der Anrufung eignet, sondern die der Versammlung, der Zusammenrufung ‘Im Hinblick auf…’ Alles trägt dazu bei, die Sensibilität des Kolonisierten zu wecken, die kontemplativen oder verzweifelten Haltungen unaktuell und unannehmbar zu machen […] Alle Bedingungen für die unvermeidliche Auseinandersetzung treten zusammen.” – Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Seite 205 f

Wenn wir davon ausgehen, dass Fanons Analyse korrekt ist, ist die Kultur in der Tat Basis der Dekolonisierung. Indem dieser Widerstand wächst und sich ausweitet, wendet er die traditionelle Kultur nicht nur wieder an, sondern revitalisiert sie, indem er ihr im Zuge des Dekolonisierungsprozesses neue Ausdrucksformen anpasst.

Ein wichtiges Beispiel dieser kulturellen Verschiebung, jene neuen Formen des Ausdrucks und der Lebenskraft, die den “nahenden Konflikt” enthüllen, kann im Widerstand der Mohawk 1990 in Kanesatake gesehen werden. Auf viele Weisen ähnlich den indigenen Blockaden und Protesten, die in den 1960er Jahren begannen, diente Oka nicht nur dazu, das Konzept der Souveränität zu erneuern, sondern auch die Kultur der KriegerInnen, geladen mit der Verantwortung Volk und Territorium zu verteidigen.

Die ausgedehnte Berichterstattung über die Oka-Krise, u.a. Bilder bewaffneter, maskierter KriegerInnen und der Warrior Unity Flag, setzten den Ton für den indigenen Widerstand durch die 1990er Jahre hindurch, der viele indigene Leute und Communities inspirierte, und ihnen eine Kultur der KriegerInnen zeigte, angepasst an die Realitäten des modernen Kolonialismus.

Wenn wir uns den Prozess der Dekolonisierung ansehen und die Tendenz vieler indigener Leute, sich selbst im Ausüben traditioneller kultureller Praktiken kooptieren zu lassen, finden wir, dass das wichtigste fehlende Element das der KriegerIn ist. Dies geschah aus verschiedenen Gründen, darunter die Idee, dass solch eine Kultur nicht mehr notwendig ist (z.B. die Idee, dass die Krieger von heute Anwälte und Geschäftsleute sind), dass solch eine Kultur kriminell ist (staatliche Propaganda), oder dass KriegerInnen und die Idee des Konflikts an sich irgendwie anti-spirituell ist (New Age/christlicher Pazifismus).

Indem sie dem für Selbstverteidigung und Überleben wichtigsten Teil der indigenen Kultur ausstoßen, enthüllen die modernen SpritualistInnen und ReformerInnen ihre Unfähigkeit, die ganze Natur und das Ausmaß des Problems zu erfassen, mit dem indigene Völker und die Erde konfrontiert sind. Die Kultur, die sie vorantreiben, ist jene, vor der Fanon uns warnt: künstlich, ohne Vitalität, “streng im Extrem”. Von New Age/christlichen Ideologien beeinflusst predigen sie zugleich die Unterwerfung unter Unterdrückung und Ausbeutung.

Kultur der KriegerInnen und Kampfgeist

Dekolonisierung beginnt also mit Kultur. Um aber das Ziel der Dekolonisierung zu erreichen (Befreiung von Land und Leuten), muss diese Kultur mit Notwendigkeit die Kultur der KriegerIn beeinhalten. Ohne sie werden alle Anstrengungen der Dekolonisierung verwundbar gegen Kooptierung und Assimilation. Dem ist so, da die KriegerIn Widerstand und Kampfgeist symbolisiert und repräsentiert.

Wenn wir über die Auswirkungen nachdenken, die der Kolonialismus auf die indigenen Völker hatte, u.a. post-traumatische Belastungsstörung, Identitätskrise, Gefühle der Minderwertigkeit, usw. ist es keine Überraschung, dass unsere Communities von derart hohen Raten von Alkoholismus geplagt werden, von Drogenabhängigkeit, häuslicher Gewalt und allgemeiner Störungen. Die extremste Auswirkung sind wohl die Selbstmorde indigener Jugendlicher.

Dies sind die Symptome eines gebrochenen und besiegten Volkes, derart kolonisiert, dass sie die Mittel, mit denen sie tatsächlich kolonisiert wurden nicht begreifen. Während Geschichte und Analyse die Leute aufrütteln und in die Wirklichkeit der kolonialen Unterdrückung holen kann, ist es die unterdrückte Kultur der KriegerIn, die den nötigen Kampfgeist bietet, um Leute zum Handeln zu motivieren. Aus diesem Grund wurden Kriegergesellschaften, ihre Organisierung und Kultur so skrupellos von den kolonialen Streitkräften angegriffen, deshalb sind sie noch immer eines der ersten Ziele staatlicher Repression und Propaganda.

Es muss daher von Anfang an betont werden, dass die Kultur der KriegerIn Teil einer jeden Dekolonisierungsbestrebung sein muss. Sie beinhaltet traditionelle Verantwortlichkeiten, Organisierung und Methoden der KriegerInnengesellschaften, zusammen mit Liedern, Wappen, Insignien, usw. Heute beinhaltet diese Kriegerkultur auch militärische Tarnkleidung, Masken und direkte Aktionen (Blockaden, Besetzungen, usw.), zusammen mit bestimmten Gruppen und der jüngeren Geschichte des Widerstands (z.B. die Red Power Bewegung der 1960er Jahre, das American Indian Movement, die Mohawn Warrior Societies, Oka, Gustafsen Lake, Ipperwash und das Native Youth Movement). Sie alle sollten verwendet werden, die Moral und den Kampfgeist unseres Volkes zu heben, insbesondere den der Jugend.

Identifizieren des Feindes

Neben Kampfgeist stellt die Identifizierung des Feindes einen weiteren wichtigen Aspekt der Dekolonisierung dar. Ohne dies kann weder die Grundursache unserer Unterdrückung klar verstanden, noch die Mittel der Befreiung erkannt werden. Auch wenn wir sagen können, dass die koloniale Gesellschaft selbst der Feind ist, inklusive all derjenigen, die daran teilhaben und das System am Laufen halten, so ist diese Sicht doch viel zu unbestimmt und impliziert, dass alle europäischen SiedlerInnen unsere Feinde wären. Sie wird den Spaltungen innerhalb der Gesellschaft, insbesondere jener der ökonomischen Klassen, nicht gerecht und mindert unsere Fähigkeit, den Widerstand auf die unteren Ränge der SiedlerInnen selbst auszudehnen.

Wenn wir sehen, dass die westliche Gesellschaft wesentlich ein Sklavensystem ist, dann gibt es Herrschende und Versklavte. Auch wenn viele sich über ihre eigene unterdrückte Situation nicht im Klaren sind, macht die Tatsache, dass es Herrschende und Sklaven gibt eine grundlegende Spaltung innerhalb der Gesellschaft deutlich. Wir sollten versuchen diese Spaltung auszunutzen, indem wir potentielle Allianzen identifizieren, dadurch unsere Kräfte stärken und die unseres Feindes schwächen.

Unser gemeinsamer Feind ist ganz klar die herrschende Klasse, die das System der Ausbeutung, Unterdrückung und Kontrolle organisiert und steuert. Regierung und Konzerne sind Mittel ihrer Durchsetzung, sie arbeiten Hand in Hand, um sicherzustellen, dass das ganze System weiterhin funktioniert. Die Regierung organisiert die Kontrolle und verhängt sie über die Bevölkerung, damit die Konzerne maximalen Profit machen können.

Im Wesentlichen ist unsere Position also eine des Klassenkampfes, unser gemeinsamer Feind ist die herrschende Klasse mit Sitz in der Regierung und in den Konzernen.

Abkoppeln vom Kolonialsystem

Wenn wir sagen, dass wir uns in einem Krieg um Territorium befinden, müssen wir verstehen, dass dies ein totaler Krieg ist, in dem das Territorium nicht allein physisch ist. Dieses Territorium umfasst heute auch die mentale und psychologische Landkarte. Tatsächlich ist unser Hauptfeind zu diesem Zeitpunkt nicht die Kolonialarmee oder die Polizei, sondern die Ideologie des Systems selbst, als wichtigstem Mittel, um die soziale Kontrolle aufrecht zu erhalten.

Diese koloniale Ideologie wird durch eine Vielzahl von Mitteln übertragen, darunter Schulen, Fernsehen, Medienanstalten, Filme und Popmusik (inklusive Mainstream-Rap). Durch sie werden Werte und Lebensweise des Unterdrückers (Individualismus, Gier, Materialismus, Patriarchat usw.) aufgenötigt. Selbst in den Communities der entlegensten Reservationen ist die koloniale Lebensweise sichtbar: die tägliche Routine des Fernsehens und der Videos, des Spielens von Videospielen, oder des Hörens von Popmusik.

Ein wichtiger Schritt diese aufgezwungene Bewusstseinskontrolle zu brechen ist, die Zeit zu begrenzen, die wir diesen Formen der Kommunikation ausgesetzt sind. Stellt den Fernseher, den DVD-Player und die Videospiele beiseite. Macht das Radio aus. Organisiert Aktivitäten, die nicht um diese Formen der ‘Unterhaltung’ oder ‘Bildung’ herum gruppiert sind. Findet positive Alternativen, beispielsweise Videos und Musik, die wirklich bildet und inspiriert.

Ein weiterer Aspekt der täglichen Routine der kolonialen Gesellschaft sind Alkohol und Drogen. Trotz der zerstörerischen Auswirkungen auf die Gesellschaft als solche, werden Alkohol und Drogen durch das System als Formen der ‘Regeneration’ und Entspannung vom Stress gefördert. Dies ist sowohl in der täglichen Routine des 8-Stunden-Tags zu sehen, nach welcher der erschöpfte Arbeiter nach Hause zurückkehrt und sich bei einem Six-Pack erholt (wie Homer Simpson), wie in der 5-Tage-Arbeitswoche, in der Wochenenden als ‘Partyzeit’ betrachtet werden. Selbst diejenigen, die keine Jobs haben gehen mit dieser Routine konform, in der Freitag und Samstag nacht als ‘Partynächte’ betrachtet werden.

Mit dieser Routine zu brechen, sich vom System abzukoppeln ist ein wichtiger erster Schritt der Dekolonisierung. Es muss jedoch betont werden, dass es das Ziel ist, das Ausgesetztsein zu begrenzen, nicht uns komplett abzuschneiden. Dies zu tun würde uns von der Außenwelt isolieren und unser situatives Bewusstsein reduzieren. Wir müssen wissen, was unser Feind sagt und tut, um seine Bestrebungen zu kontern. Gleichzeitig müssen wir in den soziologischen Trends und Mustern ‘up to date’ sein, um den Zeitgeist und die Verhältnisse zu kennen.

Parallel dazu gibt es das andauernde Bedürfnis die Widerstandbewegung zu organisieren. Isolation von der kolonialen Gesellschaft, im Bemühen unseren Kopf, Körper und Geist zu dekolonisieren, begrenzt unsere Fähigkeit Informationen zu sammeln, zu kommunizieren und zu organisieren. Wir werden notwendigerweise weiter moderne technologische Werkzeuge nutzen, solange solche Mittel weiter funktionieren. Unser Ziel ist die Befreiung von Land und Leuten, nicht die lebenslange Jagd nach unserer individuellen Dekolonisierung. Zur Wiederkehr der indigenen Person, die im Einklang mit der Natur lebt, ein freies, souveränes Leben lebt, wird nur nach der Zerstörung des Kolonialsystems kommen. Wir sollten uns keine Illusionen darüber machen, und es ist in jedem Fall eine Erfüllung unserer Verpflichtungen den künftigen Generationen gegenüber, ein solches Leben zu leben.

Ein Sklave kann nicht als freie Person leben, bis er oder sie befreit wird. Die beinahe permanente Interaktion mit dem Sklaventreiber, die tägliche Routine der Sklaverei, Ausbeutung und Kontrolle, sie sind die Bedingungen, die das Bedürfnis nach Befreiung allererst schufen. Auch wenn wir für die Befreiung von Kopf und Geist kämpfen können, und dies auch tun, werden nur wenige in der Lage sein, diese Wahl zu treffen. Die breite Mehrheit ist derart indoktriniert und assimiliert, dass sie die Dinge akzeptieren wie sie sind, zugleich am System teilnehmend und es aufrechterhaltend.

Nichtsdestotrotz ist es unsere Aufgabe die Sklaven zu befreien und das System zu zerstören. Und wir können dies nur tun, indem wir unseren Kopf und Geist befreien. Das ist es, weshalb die persönliche Reise der Dekolonisierung nicht nur logischer Startpunkt, sondern auch notwendig. Aber es hat seine Grenzen. Auch wenn die völlige Zurückweisung jedweder europäischen Kultur, inklusive Lesen und Schreiben, Fernsehen, usw. im Prinzip richtig ist, wird in der Praxis deutlich, wie dies unsere Fähigkeiten zu organisieren einschränkt und somit im Erreichen des wichtigsten Zieles scheitert (der Befreiung von Land und Leuten).

Wenden wir nun unsere Aufmerksamkeit diesem ersten, entscheidenden Schritt zu: der Befreiung von Kopf und Geist.

Befreiung von Kopf und Geist

Die Durchdringungskraft des Kolonialsystems, seine Fähigkeit in nahezu alle Aspekte unseres täglichen Lebens einzudringen, in Beziehungen, Werte, Glaube, usw. sollte nicht unterschätzt werden. Im Moment unserer Geburt beginnt der Prozess der Sozialisation, der darauf zielt gehorsame Arbeiter-SklavInnen zu produzieren. Der inkorporierten Unterhaltung sind wir in Form von Hollywoodfilmen, Sport, Musik, usw. bereits in jungen Jahren ausgesetzt. Danach bietet das Erziehungssystem die systematischen Mittel, Indoktrination aufzuzwingen.

Im Allgemeinen sind wir unsere gesamte Kindheit und Jugend hindurch der Ideologie und Lebensweise des Systems ausgesetzt. Das ganze Ausmaß dieser Indoktrination wird erst später erkannt, wenn überhaupt. In Folge erleben wir nahezu alles, das uns gelehrt und erzählt wurde über die Gesellschaft und die Welt in der wir leben als eine Matrix aus Lügen und Täuschung. Diese Vergegenwärtigung muss erreicht werden, damit wir das Konzept der Dekolonisierung auch nur in Erwägung ziehen können.

In diesem ersten Schritt der Dekolonisierung streben wir danach, unsere Verbindungen mit dem kolonialen System zu lösen und uns in unserer eigene Kultur und Lebensweise zu vertiefen. Dies stattet uns mit einer positiven Alternative zum System aus, da unser Kampf ein Kampf zwischen zwei sich gegenüberstehenden und sich widersprechenden Lebensweisen ist. Wie gesagt besteht allerdings die Gefahr der Kooptierung, wenn der Einfluss unserer Kultur des KriegerIn und die Identifizierung eines gemeinsamen Feindes fehlt.

Die eigene Kultur wird durch eine Vielfalt an Mitteln wieder erlernt. Die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten, Zeremonien, das Erlernen von Liedern und Tänzen, Sprache, Kunst und Handwerk, traditionellen Fähigkeiten wie Jagen und Fischen, und das Leben auf dem Land sind einige Beispiele. Im späten 19. Jahrhundert unternahmen AntropologInnen eine konzertierte Anstrengung unsere Kulturen zu dokumentieren, im Glauben, dass wir als eigenständige Stammesvölker verschwinden würden. Diese Forschung beinhaltet, auch wenn sie den Interessen des kolonialen Systems dient, große Mengen des Wissens der Vorfahren, das indigene InformantInnen zur Verfügung stellten. Diese durch lesen und studieren angeeigneten Informationen sind eine Quelle der Dekolonisierung, die genutzt werden sollte.

Eine der wichtigsten Methoden Kopf und Geist zu befreien ist die Teilnahme an Zeremonien. Viele indigene Leute, die von Alkohol oder Drogenabhängigkeit genesen, wenden sich an Zeremonien um Heilung, wir sollten die gleiche Vernunftsprinzip auf die Dekolonisierung anwenden. Verbreitete Beispiele in Nordamerika sind Schwitzhütten, Fasten, Potlatches, Peyote, Yuwipi, kalte Bäder, Sonnentanz, usw. In unterschiedlicher Form teilen diese Zeremonien einige allgemeine Charakteristika, sie fordern Perioden von Unbehaglichkeit oder Leid zu ertragen, Isolation, Schlafentzug, usw. was der Veränderung des mentalen Zustands dient und dem Öffnen von Kanälen spiritueller Kommunikation dient.

Zeremonien lassen positive Werte einfließen, etwa Opfer, Disziplin, Selbstkontrolle, Demut und die Fähigkeit, Härten zu widerstehen.

Aktiver Gebrauch des Territoriums

Wenn Individuen in den Prozess der Dekolonisierung eintreten, die Verbindungen mit dem System lösen und sich in ihrer eigene Kultur vertiefen, nehmen die Aktivitäten draußen auf dem Land und weg von der städtischen/vorstädtischen Umgebung zu. Dies stimmt mit unserer Strategie der Loslösung und Vertiefung in Bezug auf die persönliche Dekolonisierung überein. Zur gleichen Zeit ist das Land in sich und für sich selbst eine kraftvolle Methode Kopf und Geist zu befreien.

Eine der zentralsten Erkenntnisse über das koloniale System ist, dass es ein fremdes System ist, nicht nur, weil es von einer externen Kraft kommt (Europa), sondern auch durch die Art, auf die es der natürlichen Welt vollkommen entfremdet und von ihr entrückt ist. Die Zivilisation ist ein menschengemachtes System, das heute alle Aspekte unseres Lebens durchdringt und uns von der natürlichen Welt entfremdet.

Das Land ist nicht nur für unser Überleben und unseren Unterhalt als indigene Völker notwendig, weil es uns mit Nahrung, Wasser, Unterkunft, Kleidung, Werkzeugen usw. versorgt, es ist auch die Quelle unserer Kultur. Die Umgebung, in der wir leben, beeinflusst unseren Kopf und Geist. In der urbanen Kultur der westlichen Gesellschaft ist die natürliche Welt etwas zum fürchten, erobern und ausbeuten (dies ist die zentrale Botschaft des Christentums); nur wenn die eigenen EinwohnerInnen dem Land zunächst entfremdet werden, kann eine solche Perspektive als wahr und logisch akzeptiert werden. Im Gegensatz dazu ist die indigene Kultur Teil der natürlichen Welt; Kräfte der Natur, Tiere und Pflanzen, sie alle formen integrale Bestandteile der Kultur, die nur verstanden werden können, indem man auf dem Land ist.

Der aktive Gebrauch des Territoriums ist auch eine Methode der Überwachung, und dadurch der Verteidigung des eigenen nationalen Territoriums. Regelmäßiges patrouillieren des eigenen Territoriums durch Wandern, Jagen, Zelten usw. kann als eine Form angesehen werden Souveränität geltend zu machen. Noch weitgehender ist die Verteidigung des Territoriums durch wiederbesetzte Camps, oder den Bau traditioneller Unterkünfte. Diese Art von Aktivitäten beteiligt auch eine größere Anzahl von Leuten an den Dekolonisierungs-Bestrebungen.

4. Dekolonisierung in Nordamerika

„Die koloniale Ausbeutung, das Elend, die ständige Hungersnot treiben die Kolonisierten mehr und mehr zum offenen und organisierten Kampf. Nach und nach und unmerklich verdichtet sich die Notwendigkeit einer entscheidenden Auseinandersetzung und wird von der großen Mehrheit des Volkes empfunden. Immer neue, vorher nicht existierende Spannungen treten auf. Die internationalen Ereignisse, der um sich greifende Zusammenbruch der Kolonialreiche, die Widersprüche innerhalb des kolonialistischen Systems unterhalten und verstärken die Kampfbereitschaft, lassen ein nationales Bewusstsein entstehen und geben ihm Kraft.” – Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Seite 201 f

Dekolonisierung, die Befreiung eines unterdrückten und kolonisierten Volkes muss letztendlich die Befreiung von Land und Territorium bedeuten. So wie der Kolonialismus je nach Situation auf einmalige Art auftritt, tut dies auch die Dekolonisierung. Wenn wir über diesen Prozess in Bezug auf unsere Situation in Nordamerika nachdenken, wird klar, dass diese Dekolonisierung sehr verschieden sein wird von anderen anti-kolonialen Befreiungskämpfen. Sie wird viel mehr dem Zusammenbruch eines Imperiums ähneln, der sowohl externen wie internen Faktoren entspringt. Die Geschichte kennt viele Beispiele zerfallender und kollabierender imperialer Systeme, darunter das der Römer und die Union der Sozialistischen Sowjet Republiken (UdSSR).

Verfall des römischen Imperiums

Aufstieg und Fall des antiken Rom, das einst von Westeuropa bis Nordafrika herrschte, umfasst knapp eine Zeitspanne von 1000 Jahren. Die Periode der größten Ausdehnung des Imperiums dauerte von 200 v.u.Z. bis 400 u.Z. Und damit gerademal 600 Jahre. Am Ende brach es zusammen aufgrund der Überdehnung seiner militärischen Streitkräfte, politischer Korruption und Instabilität, internen sozialen Verfall und Rebellion.

Mehr Polizei und repressive Gesetze scheiterten darin, die andauernden Revolten von SklavInnen, Bauern und Kolonien zu stoppen, mehr an die Grenze geschickte Soldaten konnten die wachsende Zahl von Aufständen der Stämme nicht aufhalten (oft von Kriegshäuptlingen geführt, die vom römischen Militär ausgebildet worden waren).

Je mehr imperiale Macht Rom durch Eroberungen gewann, umso größer wurde der Reichtum und die Privilegien seiner Bürger. Zur gleichen Zeit wurde seine Bevölkerung durch die Assimilation der neu kolonisierten Untertanen und Territorien gespaltener, je mehr es eroberte.

Am Ende sah sich Rom sowohl internen wie externen Bedrohungen gegenüber, die ineinander griffen und einen Zusammenbruch des Systems bewirkten. Rom selbst wurde überfallen, geplündert und zeitweise von den gleichen ‘barbarischen’ Stämmen besetzt, die es zuvor überfallen und kolonisiert hatte.

Zusammenbruch der UdSSR

In den 1970er Jahren schien die UdSSR übermächtig und monolithisch. Sie war nach den USA die zweitgrößte Supermacht, dominierte Ost-Europa und zahlreiche “Klienten-Staaten” in Afrika und Asien. In den 1980er jedoch führte die Beteiligung am verlorenen Krieg in Afghanistan, der Milliarden kostete, zu einer Demoralisierung weiter Teile der heimischen Bevölkerung (ähnlich dem Vietnam Krieg der USA). Die sowjetischen BürgerInnen waren zusehend desillusioniert von einem politischen System, dass von einer korrupten Kommunistischen Partei beherrscht wurde. Die Ökonomie befand sich weithin im Niedergang, als das Land eine sich verschlimmernde ökologische Krise erlebte. Sie war Ergebnis weitreichender industrieller Verschmutzung und Vermüllung, hinzu kam 1986 die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl. Ganze Regionen und Seen wurden in Wüsten und Brachen verwandelt. Diese Faktoren kamen zusammen und führten 1991 zum Kollaps der UdSSR; viele ehemalige Republiken spalteten sich ab und erklärten ihre Unabhängigkeit.

Verfall der USA

Heute scheinen die USA, das globale imperialistische System dominierend, übermächtig. Nichts desto trotz sehen sie internen und externen Bedrohungen gegenüber, die jenen in Rom nicht unähnlich sind, allerdings in weit größerem Maße. Die militärischen Streitkräfte der USA sind über die ganze Welt verbreitet, in Europa, Südamerika, Afrika und Asien. Im Irak und in Afghanistan sind derzeit an die 150.000 Kampftruppen im Einsatz. An ihrer südlichen Grenze trieben Armut und Ausbeutung Millionen MexikanerInnen zur Migration in die USA, während sie in Mexiko selbst aufständische Bewegungen entstehen ließ.

Intern sind die USA so polarisiert und zerrissen wie zu keiner Zeit seit dem Vietnam-Krieg (eine Periode, die durch weit verbreitete Rebellion und Widerstand gekennzeichnet war). Viele BürgerInnen sind zunehmend desillusioniert über das politische System, von linken bis rechten ‘Patrioten’ Bewegungen. Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000, in der George W. Bush an die Macht kam, wird von vielen als Ergebnis eines Wahlbetrugs gesehen, in dem Millionen Stimmen von vornehmlich afrikanischen AmerikanerInnen in Florida für ungültig erklärt wurden.

In Folge der Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon vom 11. September 2001 erließ die US-Regierung unmittelbar den USA Patriot Act und begann damit das neue Department für Homeland Security, das Heimatschutzministerium aufzubauen. Zur gleichen Zeit zogen sie in ihren ‘Krieg gegen den Terror’, der zunächst in der Invasion Afghanistans bestand, gefolgt 2003 vom Irak.

Der Patriot Act und das Heimatschutzministerium errichteten einen Polizeistaat im Innern, eine Entwicklung, die in der Phase innerer Aufstandsbekämpfung, der Counter-Insurgency der 1960-70er Jahre in Bewegung gesetzt worden war. Heute hat dieser Polizeistaat weitreichende, umfassende neue Befugnisse für Polizei, FBI und Geheimdienste geschaffen, um Überwachung, Festnahmen, Geheimprozesse und Deportationen durchzuführen. Noch immer sitzen hunderte Angehörige v.a. arabischer Nationalitäten überall im Land im Gefängnis, während Homeland Security weiter farbkodierte ‘Terrorwarnungen’ herausgibt, die bisweilen zu Grenzschließungen und dem Einsatz schwer bewaffneter Polizei in den größten Städten führen (‘Hercules’ Einheiten).

Diese Maßnahmen der ‘Inneren Sicherheit’ haben die Gesellschaft der USA weiter polarisiert, eine wachsende Anzahl an BürgerInnen stellt die gesamte Grundannahme eines ‘Krieges gegen den Terror’ in Frage, insbesondere die der US-Invasion im Irak, die auf gefälschten Beweisen für Massenvernichtungswaffen und Verbindungen des Irak zu Al-Qaeda aufbaute. Trotz massiver Propaganda-Kampagnen wächst die Desillusionierung und der Zynismus weiter an.

Ein gespaltenes Imperium

Armut, Drogen, Verbrechen und polizeiliche Repression nehmen überall in den USA zu, schaffen v.a. auf der Basis rassistischer Unterdrückung größere Spannungen und Konflikte. 1970 betrug die Zahl der Personen in staatlichen Gefängnissen um die 200.000. In Verlauf der letzten 30 Jahre ist diese Zahl auf mehr als 2 Millionen gestiegen, von denen 65% Schwarze und 25% Latinos sind.

Die Schwarzen in den USA waren seit den 1950er Jahren ein zentraler Auslöser inneren Widerstands (z.B. die Bürgerrechtskämpfe, Martin Luther King, Malcolm X). Auch in den 1960ern leistete die schwarze Befreiungsbewegung (z.B. die Black Panthers) einen bedeutenden Beitrag zur sozialen Rebellion innerhalb der USA. Dies ist der rassistischen Unterdrückung in der US-Gesellschaft und der Größe der (in erster Linie städtischen) schwarzen Bevölkerung selbst geschuldet.

Laut US-Zensusbehörde gibt es annähernd 300 Millionen US-BürgerInnen. Afrikanische AmerikanerInnen stellen etwa 36 Millionen, oder 15%. MexikanerInnen, Chicanos und ImmigrantInnen aus Zentralamerika (Latinos/as genannt) stellen etwa 40 Millionen, oder 18% der Gesamtbevölkerung. Sie sind die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe in den USA (in den 1950ern wurden sie auf 5 Millionen geschätzt). Daneben gibt es in den USA geschätzte 10 Millionen nicht dokumentierte ‘Immigranten’, zumeist aus Mexiko. Indigene Völker (ohne die mexikanische Nation) stellen schätzungsweise 2 Millionen.

Zusammen kommen diese kolonisierten Völker auf einige 85 Millionen, mehr als 30% der gesamten Bevölkerung. Plus die Millionen asiatischer und arabischer ImmigrantInnen, von denen viele ebenfalls verarmt und rassistischer Unterdrückung unterworfen sind. Das große Potential dieser unterdrückten Unterklasse zu revoltieren kann in den Rebellionen der 1960er-70er erkannt werden (v.a. der städtischen Schwarzen), sowie erneut 1992, als es nach dem Rodney King Prozess in Los Angeles zu ausgedehnten Riots in den Großstädten kam (multinational).

Die ganzen 1990er Jahre hindurch kam es überall in Nordamerika zu einer übergreifenden Erneuerung der Rebellion, beginnend mit der Oka-Krise 1990 in Kanada, den Riots in LA 1992, dem Aufstand der ZapatistInnen 1994 in Mexico, und 1999 den Riots gegen die Welthandelsorganisation WTO in Seattle. 1993 massakrierten staatliche Polizeibeamte in Waco, Texas mehr als 80 Männer, Frauen und Kinder. All diese Ereignisse hatten enormen soziale Auswirkungen und machten das wachsende Potential für die Revolte überall in der Gesellschaft deutlich (selbst in Teilen der weißen Siedlerbevölkerung).

Trotz dieser sporadischen Rebellionen und Konfrontationen fällt es unter den gegenwärtigen sozialen Bedingungen in Nordamerika schwer, massenhaft organisierten Widerstand gegen das System zu konzipieren. Tatsächlich erscheint die Situation konterrevolutionär und absolut hoffnungslos. Stellt euch vor, die Revolution in Babylon zu organisieren, denn das ist es, was wir versuchen zu tun.

Es ist daher notwendig unsere Analyse auzuweiten. Die wichtigste Beobachtung ist, dass die überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung in Süd- und Zentralamerika, in Afrika und Asien durch das globale System unterdrückt und verarmt werden. In diesen Regionen finden wir nicht nur Bedingungen extremer Ausbeutung, sondern auch ein weit höheres Niveau des Widerstands und des Kampfes.

Diese Kämpfe haben enorme Auswirkungen auf das imperialistische System, schaffen ökonomische Unsicherheit, begrenzen den Zugriff der Konzerne auf Ressourcen, und erfordern massive Summen militärischer Hilfe oder Intervention (War on Drugs, War on Terror).

Mexiko und der Südwesten der USA

In Mexiko hat die zapatistische Rebellion nach 10 Jahren des Kampfes tiefgreifende Auswirkungen auf die mexikanische Gesellschaft. Sie hat den Kampfgeist der indigenen Völker erneuert und viele verschiedenartige soziale Bewegungen geeint. Zudem haben die ZapatistInnen, aufbauend auf Prinzipien politischer Autonomie und Selbstorganisierung, autonome Zonen in Chiapas etabliert. Sie hat die Rolle und den Status von Frauen in der mexikanischen Gesellschaft vorangebracht. In mehreren mexikanische Staaten entstanden mehr als ein Dutzend neuer Guerilla-Bewegungen. Diese Faktoren sorgten für wachsende Besorgnis bei den US-Behörden, die den mexikanischen Staat mit finanziellen Mitteln, Ausbildung und neuer militärischer Ausrüstung ausstatteten, damit diese einen Krieg der Aufstandsbekämpfung führen kann (meist unter dem Vorwand des Krieges gegen die Drogen).

An erster Stelle der Sorgen steht für die USA die Bedrohung, die mexikanischen Aufständischen könnten die Wirtschaft zum Erliegen zu bringen, sowie die Gefahr der Ansteckung und Ausbreitung der revolutionären und aufständischen Kultur Mexicos innerhalb der einheimischen Bevölkerung der USA. Während der mexikanischen Revolution von 1917 wurden an die 35.000 US-Truppen an der Grenze stationiert, um die Einwanderung zu stoppen.

In Folge der Rebellion der ZapatistInnen von ’94 intensivierten die USA die Bestrebungen, ihre südliche Grenze abzuschotten. Die INS dehnte ihre Grenzpatrouillen enorm aus, die Zahl ihrer Beamten stieg von 980 im Jahr 1994 auf 2.264 im Jahr 1998. Das Jahresbudget der INS verdreifache sich im gleichen Zeitraum von 1,5 Milliarden auf 4,2 Milliarden.

Das Ergebnis war die Errichtung einer militarisierten Zone entlang der US-mexikanischen Grenze, mit gemeinsamen Operationen von Polizei und Militär, Checkpoints auf Straßen und Autobahnen, ununterbrochenen Patrouillen, dem Einsatz von Flutlicht, um das Gebiet auszuleuchten, usw. Zusammen mit rassistischen Einwanderungsgesetzen führte diese offizielle Politik zu einem substanziellen Anstieg von Menschenrechtsverletzungen. Auch die Gefängnisse der INS haben ihre Kapazitäten erweitert: Von täglich 8.279 im Jahr 1996 auf 20.000 im Jahr 2001 (jedes Jahr werden um die 200.000 Personen vom INS inhaftiert).

Mexiko, und in Erweiterung der Südwesten der USA, ist ganz klar ein strategischer Punkt, auf den unser Feind erhebliche Ressourcen verwendet. Die mexikanische Bevölkerung, in Mexiko wie im Südwesten der USA, wird als feindlich und gefährlich wahrgenommen. Trotzdem bilden die MexikanerInnen ein großen und notwendigen Teil der US-Gesellschaft und dienen als extrem ausbeutbare Quelle manueller Arbeit. Wie die neuen AfrikanerInnen sind die mexikanischen/chicano Völker ein strategischer Faktor der Dekolonisierung.

Der Aufruhr im Irak

Heute ist der Nahe Osten eine der kritischsten Regionen für den US-Imperialismus und, insbesondere, seine Öl- und Gasvorkommen. Allein diese Region beinhaltet zwei Drittel aller bekannten Petroleumvorräte und ist lebenswichtig für das westliche industrielle System als Ganzes. Europäische Nationen sind, ebenso wie solche in Asien (z.B. China), zunehmend abhängig von diesen Vorräten. Die Pläne der USA für weltweite Herrschaft erfordern die direkte Kontrolle über das Öl des Nahen Ostens; wer immer diese Region kontrolliert, kontrolliert das globale System als solches. Aus diesem Grund wurde die US-Invasion des Irak von den meisten europäischen Nationen nicht unterstützt, die darin das Bestreben der USA erkennen, Kontrolle zu beanspruchen, während sie zugleich ihre eigene Position untergräbt.

Im Angesicht eines wachsenden Aufruhrs im Irak, befinden sich die USA nun in einem Krieg, aus dem sie sich nicht einfach zurückziehen können, aber den sie definitiv nicht gewinnen können. Wie Vietnam gezeigt hat, sind große Teile der Bevölkerung der USA nicht Willens, Kriege dieser Art zu unterstützen und erweisen sich als weit weniger loyal als während des 1. und 2. Weltkrieges. Mit dem fortgesetzten ökonomischen Niedergang werden die USA gesteigerte soziale Konflikte aus ihrem Inneren erleben, während auch der Widerstand im Nahen Osten und in anderen Regionen zunehmen wird, was den Einsatz immer größerer polizeilicher und militärischer Streitkräfte erfordern wird.

Wie bemerkt ist die US-Gesellschaft zutiefst rassi[sti]sch gespalten und dies spiegelt sich in den militärischen Streitkräften. Afrikaner, Asiaten und indigene/Latinovölker stellen einen überproportionalen Teil der Kampftruppen an der Front (und damit der Verluste). Im Vietnam-Krieg trug der Rassismus im US-Militär bei zu einer Kultur der Meuterei, der Desertion und sogar dem Töten von Kommandeuren, die als rassistisch erachtet wurden, oder bereit dazu Truppen zu opfern (‘fragging’). Die US-Truppen wurden weiter demoralisiert durch ihr Unvermögen, die Angriffe der Guerilla zu stoppen, steigende Verluste, weit verbreiteten Drogengebrauch und die himmelschreiende Ungerechtigkeit ihrer Aktionen.

Die US-Truppen im Irak sind bereits demoralisiert und desillusioniert von ihrer Mission. Viele BürgerInnen stellen die Legitimität des Krieges an sich heute in Frage. Monate nach der Invasion kam es überall auf der Welt zu den größten Anti-Kriegs-Demonstrationen. Gegen den Vietnam-Krieg hatte es ähnliche Massendemonstrationen erst in den späten 1960ern, damit fünf Jahre nach Eskalation der Kriegsbeteiligung der USA gegeben. Mit den weiterhin steigenden Verlusten wendet sich die öffentliche Meinung zusehends gegen die Besatzung des Irak, was die US-Gesellschaft zusätzlich zu polarisieren droht.

Krise, Konflikt und Widerstandspotential

Mit der globalen Umwelt geht es aufgrund industrieller Verschmutzung und der Erschöpfung der Ressourcen rapide bergab. Schon heute verursacht die Klimaerwärmung extreme Wetterlagen, etwa Stürme, Dürren, tödliche Hitzewellen, Käferplagen, Waldbrände, schmelzende Polkappen und Gletscher usw. die alle negative Auswirkungen auf das globale ökonomische System haben.

Innerhalb der G7-Staaten, haben Globalisierung und neoliberale Handelspolitiken dazu geführt, dass weite Teile der industriellen Produktion in ‘weniger entwickelte’ Länder ausgelagert wurden, wo Arbeit und Ressourcen weit billiger zu haben sind. Dies hat zu wachsender Arbeitslosigkeit in den industrialisiertesten Nationen geführt.

Trotz dem jahrzehntelangen ökonomischen Wachstum hat sich die Armut weltweit ausgebreitet, auch in den G7 Staaten selbst. Nur die Reichen und gewisse Segmente der Mittelklasse haben vom Prozess der Globalisierung profitiert (ein anderer Begriff für Imperialismus). Heute sind die allgemeinen ökonomischen und sozialen Verhältnisse schlechter als in den 1960ern, einem Jahrzehnt weit verbreiteter sozialer Rebellion.

Das Zusammenkommen von Krieg, ökonomischem Niedergang und ökologischer Krise wird in den kommenden Jahren insgesamt zu verschärften sozialen Konflikten innerhalb der imperialistischen Nationen führen. Dieser sich zuspitzende Konflikt wird Veränderungen in den gegenwärtigen sozialen Verhältnissen und erweiterte Möglichkeiten für organisierten Widerstand schaffen. Die Herrschenden sind sich darüber sehr wohl bewusst, und es ist aus diesem Grund, dass staatliche Repression nun als zentrales Mittel sozialer Kontrolle eingesetzt wird (z.B. äußerst ausgebaute Polizei-Militär-Einheiten, neue Anti-Terror-Gesetze, usw.)

Mit Vertiefung dieser Krisen wird das System immer angreifbarer. Wenn koloniale oder imperiale Systeme schwächer werden war dies die Zeit, in der koloniale Nationen aufstiegen. Wir können dies im alten Rom beobachten, in der Periode nach dem 2. Weltkrieg und nach dem Zusammenbruch der UdSSR.

Wenn diese Analyse richtig ist, befinden wir uns derzeit in einer Periode der ‘Ruhe vor dem Sturm’, eines Sturms, der schlussendlich die Fundamente des imperialen Systems selbst erschüttern wird. Dieses wachsende Potential für sozialen Konflikt und der systemische Zusammenbruch bieten die beste Möglichkeit für Dekolonisierung, auf nationaler wie auf internationaler Ebene.

Zig-Zag

Frühling 2006

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Anhang

Die Absicht dieser Appendixe ist nicht die Anpreisung der Vereinten Nationen, sondern vielmehr, die Heuchelei der kolonialen Staaten und eines globalen Systems aufzuzeigen, die beanspruchen für Menschenrechte, Frieden und Freiheit zu stehen.

Appendix A

Eine Deklaration zur Dekolonisierung, verabschiedet am 14. Dezember 1960

1514 (XV). Erklärung über die Gewährung der Unabhängigkeit an koloniale Länder und Völker

Die Generalversammlung,

eingedenk der in der Charta der Vereinten Nationen verkündeten Entschlossenheit der Völker der Welt, den Glauben an die grundlegenden Menschenrechte, an Würde und Wert der menschlichen Person, an die leichberechtigung von Mann und Frau sowie von großen und kleinen Nationen erneut zu bekräftigen und den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern,

im Bewusstsein der Notwendigkeit, die Voraussetzungen für Stabilität und Wohlergehen sowie für friedliche und freundschaftliche Beziehungen auf der Grundlage der Achtung der Grundsätze der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung aller Völker zu schaffen und die allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion herbeizuführen,

in Anerkennung der leidenschaftlichen Sehnsucht aller abhängigen Völker nach Freiheit und der entscheidenden Rolle dieser Völker bei der Erlangung ihrer Unabhängigkeit,

im Bewusstsein der zunehmneden Konflikte, die auf die Verweigerung oder Behinderung des Freiheitsstrebens dieser Völker zurückzuführen sind und die eine ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens darstellen,

in Anbetracht der wichtigen Rolle der Vereinten Nationen bei der Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegung in den Treuhandgebieten und den Gebieten ohne Selbstregierung,

in Anbetracht dessen, dass die Völker der Welt das Ende des Kolonialismus in all seinen Erscheinungsformen brennend wünschen,

überzeugt, dass das Fortbestehen des Kolonialismus die Entwicklung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit behindert, die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der abhängigen Völker hemmt und dem Ideal der Vereinten Nationen von einem weltweiten Frieden entgegenwirkt,

in Bekräftigung dessen, dass die Völker für ihre eigenen Zwecke frei über ihre natürlichen Reichtümer und Ressourcen verfügen können, unbeschadet der Verpflichtungen, die sich aud der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit nach dem Grundsatz des gegenseitigen Nutzens sowie aus dem Völkerrecht ergeben,

in der Auffassung, dass der Befreiungsprozess unaufhaltsam und unumkehrbar ist und dass zur Vermeidung ernster Krisen dem Kolonialismus und allen damit verbundenen Praktiken der Rassentrennung und Diskriminierung ein Ende gesetzt werden muss,

erfreut über die Tatsache, dass in den letzten Jahren eine große Anzahl abhängiger Gebiete Freiheit und Unabhängigkeit erlangt hat, und in Anerkennung der immer stärker werdenden Bestrebungen nach Freiheit in den Gebieten, welche die Unabhängigkeit noch nicht erlangt haben,

in der Überzeugung, dass alle Völker ein unveräußerliches Recht auf volle Freiheit, auf die Ausübung ihrer Souveränität und die Integrität ihres nationalen Territoriums haben,

verkündet feierlich die Notwendigkeit, dem Kolonialismus in all seinen Erscheinungsformen rasch und bedingungslos ein Ende zu machen,

und erklärt zu diesem Zweck Folgendes:

1. Die Unterwerfung von Völkern unter fremde Unterjochung, Herrschaft und Ausbeutung stellt eine Verweigerung grundlegender Menschenrechte dar, steht im Widerspruch zur Charta der Vereinten Nationen und ist ein Hindernis für die Förderung des Friedens und der Zusammenarbeit in der Welt.

2. Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung; kraft dieses Rechts bestimmen sie frei ihren politischen Status und verfolgen frei ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.

3. Unzulängliche politische, wirtschaftliche, soziale oder bildungsmäßige Vorbereitung darf niemals ein Vorwand für die Verzögerung der Unabhängigkeit sein.

4. Alle bewaffneten Aktionen oder Unterdrückungsmaßnahmen, gleich welcher Art, gegen abhängige Völker sind einzustellen, um diesen die Möglichkeit zu bieten, ihr Recht auf volle Unabhängigkeit friedlich und frei auszuüben; die Integrität ihres nationalen Territoriums ist zu achten.

5. Alsbaldige Schritte sind in den Treuhandgebieten und den Gebieten ohne Selbstregierung sowie in allen anderen Gebieten, welche noch nicht die Unabhängigkeit erlangt haben, zu unternehmen, um den Völkern dieser Gebiete alle Hoheitsbefugnisse zu übertragen, ohne irgendwelche Bedingungen oder Vorbehalte, im Einklang mit ihrem frei geäußerten Willen und Wunsch, ohne Unterschied der Rasse, des Gaubens oder der Hautfarbe, um sie in die Lage zu versetzen, volle Unabhängigkeit und Freiheit zu genießen.

6. Jeder Versuch, die nationale Einheit und die territoriale Integrität eines Landes ganz oder teilweise zu zerstören, ist mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen unvereinbar.

7. Alle Staaten haben die Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen, der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dieser Erklärung auf der Grundlage der Gleichheit, der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten und der Achtung vor den souveränen Rechten aller Völker und ihrer territorialen Integrität gewissenhaft und genau einzuhalten.

Appendix B

Auszug aus der

Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermords

bekräftigt durch Resolution 260 A (III) vom 9. Dezember 1948

Nach Erwägung der Erklärung , die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in ihrer Resolution 96 (I) vom 11. Dezember 1946 abgegeben wurde, dass Völkermord ein Verbrechen gemäß internationalem Recht ist, das dem Geist und den Zielen der Vereinten Nationen zuwiderläuft und von der zivilisierten Welt verurteilt wird,

in Anerkennung der Tatsache, dass Völkermord der Menschheit in allen Zeiten der Geschichte große Verluste zugefügt hat, und

in der Überzeugung, dass zur Befreiung der Menschheit von einer solch verabscheuungswürdigen Geißel internationale Zusammenarbeit erforderlich ist,

sind die vertragschließenden Parteien hiermit wie folgt überein gekommen:

Artikel 1

Die vertragschließenden Parteien bestätigen, dass Völkermord, ob im Frieden oder im Krieg begangen, ein Verbrechen gemäß internationalem Recht ist, zu dessen Verhütung und Bestrafung sie sich verpflichten.

Artikel 2

In dieser Konvention bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

(a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe;

(b) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;

(c) vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;

(d) Verhängung von Maßnahmen, die auf Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind;

(e) gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

Artikel 3

Die folgenden Handungen sind zu bestrafen:

(a) Völkermord;

(b) Verschwörung zur Begehung von Völkermord;

(c) unmittelbare und öffentliche Anreizung zur Begehung von Völkermord;

(d) Versuch, Völkermord zu begehen;

(e) Teilnahme am Völkermord.

Artikel 4

Personen, die Völkermord oder eine der sonstigen in Artikel 2 aufgeführten Handlungen begehen, sind zu bestrafen, gleichviel ob sie regierende Personen, öffentliche Beamte oder private Einzelpersonen sind.”

Ende des Auszugs

Appendix X

Stundenplan 1

1. Einführung und Geschichte

A – Definition Kolonialismus, 4 Stufen des Kolonialismus

B – Geschichte des Kolonialismus

a. Ägyptische Kolonisierung

b. Europäische Kolonisierung

c. Römische Kolonisierung

d. 1492: Invasion der Amerikas, 1498: Nordamerika

e. Revolten; Siedler und Afrikaner

f. Schlussphase Nordamerika 1890

g. Afrika, Asien und der Mittlere Osten

h. Krieg und Aufstieg der USA

i. WKII und die ‘Entkolonisierung’ der UNO

j. Vietnam / Unruhen in den USA

k. Neue Weltordnung – Krieg ums Öl

C – Schlussfolgerung

Stundenplan 2

2. Auswirkungen des Kolonialismus

A – Europäische Siedlergesellschaft

a. Siedlerstaaten

b. Imperialismus

c. Apartheid

d. Weiße Überlegenheit – White supremacy

e. Patriarchat

f. Neo-Kolonialismus

g. Pyradide der Macht / Sozialstruktur

B – Soziologische Auswirkungen

a. Genozid

b. Verlust von Souveränität und Territorium

c. Assimilation

C – Individuelle Auswirkungen

a. Posttraumatische Belastungsstörung

b. Individualismus, Identität, Minderwertigkeit

c. Interne Gewalt

d. Alkohol, Drogen, Selbstmord

e. Gesundheit

D – Schlussfolgerung

Stundenplan 3

3. Dekolonisierung

a. Kultur

b. Kultur der KriegerIn / Kampfgeist

c. Erkennen des gemeinsamen Feindes

d. Abkoppeln vom kolonialen System

e. Befreiung von Kopf und Geist

f. Aktiver Gebrauch des Territoriums

4. Dekolonisierung in Nordamerika

a. Niedergang von Rom / UdSSR / USA

b. USA: ein gespaltenes Imperium

c. Mexiko und der Südwesten der USA

d. Aufstand im Irak

e. Krisen, Konflikte und Widerstand

Schlussfolgerungen

1White Supremacist ist hier mit weißer Vorherrschaft übersetzt, da das Anliegen dieser Gruppen in der konkreten historischen Situation das Erringen politischer Macht war. Bezieht sich der Text auf das Denken, das vermeintlich ein natürliches Anrecht rassistischer Herrschaft begründet, ist der Begriff mit weißer Überlegenheitsglaube übersetzt.

2Diese gemeinsamen Trainingsübungen der US-amerikanischen und ägyptischen Streitkräfte wurden im Vorfeld der Operation Desert Storm stark ausgeweitet und umfassten bis zu 70.000 Soldaten aus 11 Staaten.

One response to ““Colonization & Decolonization” by Zig-Zag translated into German!

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